modernistmozart
30.08.2019

Tribute to László – Appia, #2 – 2019

Der aus Ungarn stammende László Moholy-Nagy ist bekannt als prägender Maler, Fotograf, Designer und Regisseur des Bauhauses. Weniger bekannt dürften seine revolutionären Leistungen als Medienpionier sein: Schon 1923 bearbeitete er Schelllackplatten mit Linolschnittwerkzeugen und nutzte so das noch junge Medium der Schallplatte für Experimente: „Moholy-Nagy sah in der Schallplatte die musikalische Zukunft. Aber er protestierte dagegen, sie nur als Mittel der Reproduktion von Aufführungen zu gebrauchen. Wir experimentierten zusammen, ließen sie rückwärts laufen, was vor allem bei Klavierplatten überraschende Effekte ergab. Wir bohrten sie exzentrisch an, so daß sie nicht regelmäßig liefen, sondern ‚eierten’ und groteske Glissandotöne produzierten.“ (Hans Heinz Stuckenschmidt 1923)

„Tribute to László“ folgt u.a. mit Arbeiten des Labels RASTER. und Claudia Märzendorfer der Neugierde Moholy-Nagys, neue Medien nicht bloß als neue Mittel der Reproduktion zu nutzen, sondern sie auch als neue Werkzeuge für kreatives Arbeiten zu verstehen. Gleichzeitig wird die Schallplatte gefeiert, die auf geheimnisvolle Weise sowohl für Archivierung und Tradierung wie auch für das Fragile und Vergängliche steht.

RASTER. ist eines der international erfolgreichsten Labels im Bereich der experimentellen Musik und elektronischen Künste, im „RASTER. Labor“ erforschen Künstler*innen in minimalistischen Installationen die dynamischen wie geheimnisvollen Felder des generativen Komponierens. Für „Tribute to László“ wird ein Vinyl-Hardware-Setup von Byetone und Mieko Suzuki in HELLERAU präsentiert. Am Tag zuvor lädt RASTER. am 13. September in der APPIA Bühne zur Langen Nacht der elektronischen Musik: Nachdem „RASTER. electric campfire“ zehn Jahre erfolgreiches Festivalformat der Villa Massimo in Rom war, wird es nach einem letztjährigen Gastspiel in Peterhof (RU) jetzt erstmals in Deutschland stattfinden.

Die Künstlerin Claudia Märzendorfer aus Wien präsentiert „Frozen Records” seit 2005 in verschiedenen Settings auf internationalen Musikfestivals und Institutionen. „Frozen Records” thematisiert auf faszinierende Weise das Verschwinden, das Filigrane und Zarte in der Kunst, besonders aber in der Musik. Die in einfachen aber langwierigen Prozessen hergestellten Schallplatten aus Eis, die in einer Performance nur kurze Zeit Klänge an die Zuhörer übermitteln können, bevor sie sich wieder auflösen und verstummen, sind nicht nur Medium, sondern auch Skulptur: Monumente des Zeitalters der technischen Reproduzierbarkeit im Moment der Erkenntnis von Vergänglichkeit.