Schlachthof 5 nach dem Roman von Kurt Vonnegut

Maxim Didenko, Vladimir Rannev, Johannes Kirsten, AJ Weissbard (RU/US/DE)

Uraufführung | Publikumsgespräch am 26.09.

Musik Theater Tanz

Tipp! Vor und nach der Veranstaltung (am 27.09. nur davor) Filmvorstellung „Wohin mit der Geschichte?“

Kurt Vonnegut erzählt über das Grauen des Krieges und macht zugleich das Erinnern selbst zum Thema. Sein Roman „Schlachthof 5“ ist Collage, Satire, Biografie, Science Fiction und alles zugleich: fragmentarisch-ausschnitthaft wandert die Romanerzählung durch unterschiedliche Zeitebenen und lässt persönliche Erfahrung und Erlebtes mit Fiktion zusammenlaufen. Vonnegut gerät als junger amerikanischer Soldat 1944 in Kriegsgefangenschaft und wird nach Dresden gebracht. In den Kellern des Schlachthof 5 überlebt er die schweren Bombenangriffe vom 13. und 14. Februar 1945. Sein 1969 erschienener Roman wird zum Kultbuch. Wie erinnern wir den Krieg? Welche Erfahrungen werden Teil unseres kulturellen Gedächtnisses? 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind die Fragen, die „Schlachthof 5“ aufwirft, aktuell wie nie. Bereits zu NS- und DDR-Zeiten wurden die Geschehnisse der Bombennacht zum Spielball einer wechselvollen Instrumentalisierung durch unterschiedliche politische Akteur*innen und Lager. Und auch heute wird beständig an dem „Mythos Dresden“ fortgeschrieben. Gegen die Vereinnahmung der Bombenangriffe durch (Neo)Nationalistische und rechtspopulistische Gruppierungen hat sich eine breite Allianz bürgerschaftlichen Engagements quer durch verschiedene Bevölkerungsgruppen, Parteien, Institutionen und zivilgesellschaftlichen Organisationen gebildet.

Vor diesem Hintergrund entwirft der russische Theaterregisseur Maxim Didenko eine neue Bühnenfassung von „Schlachthof 5“, die im September in HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden uraufgeführt wird. Didenko, vielfach ausgezeichnet und international bekannt für seine bildgewaltige choreografisch-theatrale Bühnensprache, sucht mit seiner Inszenierung nach neuen Möglichkeiten eines gegenwärtigen Blicks auf Vonneguts Text und den „Mythos Dresden“. Die Inszenierung ist als multimediales Musiktheaterprojekt an der Schnittstelle von Theater, Tanz, Musik und Performance konzipiert, bei dem Performer*innen, Tänzer*innen und Sänger*innen auf der Bühne agieren. Die eigens für das Stück komponierte Musik von Vladimir Rannev wird live von AuditivVokal Dresden szenisch aufgeführt. Für die choreografische Umsetzung mit einem neunköpfigen Performer*innen-Ensemble arbeitet Didenko eng mit dem Choreografen Vladimir Varnava zusammen. Der Künstler und Lichtdesigner AJ Weissbard greift für die räumliche Realisierung von „Schlachthof 5“ auf das Naturlicht-Konzept aus den Gründerjahren des Festspielhauses Hellerau zurück und Oleg Michailov kreiert die Videokunst.

Mehr Infos im HELLERAU-Magazin:

Rahmenprogramm jeweils vor und nach den Veranstaltungen (am 27.09. nur vor der Show)
Film im Studio West: Wohin mit der Geschichte?
Der deutsch-dänische Dokumentarfilm “Wohin mit der Geschichte?” betrachtet den städtebaulichen Umgang mit Geschichte und seinen Einfluss auf die politische Entwicklung einer Gesellschaft. Inwiefern hängt der Rechtsruck in Dresden mit dem Wiederaufbau nach 1990 zusammen? Haben die städtebaulichen Rekonstruktionsarbeiten als Heilungsversuch den Opfermythos in der Stadt verstärkt und somit den Weg für eine Bewegung wie Pegida bereitet? Durch Interviews mit Protagonist*innen aus Stadtplanung und Politik geht der Film dieser These nach, dabei will er in erster Linie nicht beurteilen, sondern vielmehr neue Sichtweisen und Perspektiven aufzeigen, wie das städtebaulichen Dilemma und die damit verbundenen verhärteten Positionen aufgelöst werden könnten.