Johanna Roggan / the guts company (DE) & Benjamin Schindler / zeitgebilde (DE) TANZPAKT Dresden 2020, Foto: Jana Mila Lippitz

Johanna Roggan / the guts company (DE) & Benjamin Schindler / zeitgebilde (DE) TANZPAKT Dresden 2020

MACHT+Menschenrechte

TANZPAKT Dresden Recherche-Residenz in Kooperation mit Art Stations Foundation, Poznań/PL

Ausgangspunkt der Recherche sind Beobachtungen, wie in immer mehr europäischen und außereuropäischen Ländern nationalistische, patriotische und chauvinistische Kräfte aufblühen und erstarken, wie immer mehr Menschen ganz offensichtlich mit fester Hand geführt werden wollen.

Die Suche nach jemandem, der die Welt ´de-komplexisiert´ und ´a-globalisiert´ und somit das Unmögliche möglich macht – der vorgibt, wir könnten uns zurückbewegen, rückwärts gehen in einer Welt und Zeit, der es nur möglich ist, vorwärts zu laufen – wird zur politischen Agenda.

Während ihrer Recherche-Residenz beschäftigen sich Johanna Roggan und Benjamin Schindler mit den Menschenrechten, deren Verletzung(en) und dem Umgang damit als Einzelperson oder als Gruppe.

Ausgehend von der Annahme, dass die Menschenrechte (wie) unsere Haut sind, die unsere Innereien schützt und dennoch die Außenwelt hineinlässt, gilt es zu überprüfen, zu dokumentieren, zu verhandeln und zu fragen:

Wer kennt die Menschenrechte?

Welche Erfahrungen haben Menschen in Europa mit ihren Menschenrechten gemacht?

Welche Geschichten gibt es zu erzählen?

Wo werden sie im täglichen Leben verletzt – ohne, dass wir es merken?

Welche Narben bleiben?

Sind die Menschenrechte in Gefahr?

Muss die Liste der Rechte vervollständigt werden?

Welche Rechte sollten umgeschrieben oder gar gestrichen werden?

Die Residenz soll dem Sammeln eben jener Erfahrungen und Berichte dienen, um diese später in Bewegung, Tanz, Sprache, Text, Film und Bild zu übersetzen.

Ursprünglich waren gemeinsame Reisen in viele europäische Länder geplant, um dort nach Geschichten zu recherchieren und diese filmisch und auditiv zu dokumentieren.

In der momentanen Reise-Situation werden wohl mehr die Fragen als Johanna Roggan und Benjamin Schindler persönlich auf Reisen gehen.

Für die neue Situation suchen Schindler und Roggan nach adäquaten und auch ästhetischen Übersetzungen.

Johanna Roggan arbeitet mit Lebensmittelpunkt in Dresden als freischaffende Tänzerin und Tanzschaffende deutschlandweit und international seit 2008. Ihre Ausbildung erhielt sie in Nürnberg, Berlin und Linz. Nach dem Studium ging sie von 2008 – 2010 nach Israel.

Neben ehrenamtlicher Arbeit im TanzNetzDresden, dem Verbund der freien Tanzszene Dresdens, gibt Johanna Tanz- und GYROKINESIS® Training für professionelle Tänzer*innen und Laien sowie Workshops für interaktive Systeme im In- und Ausland (sound-specific movement for interactive environments®).

Eigene Arbeiten, Workshops und Festival-Einladungen sowie die Arbeit mit wechselnden Choreograf*innen brachten sie, neben Deutschland, nach Südamerika, Kanada, Russland und in verschiedene europäische Städte.

Ihre Arbeit „wo es eben passt, Kapitel II“ wurde zur ersten Tanzplattform Sachsen im Mai 2013 eingeladen. Eine Jury prämierte ihre Arbeit für eine Koproduktion einer neuen Arbeit in 2014 mit HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden und dem Societaetstheater Dresden.

Im selben Jahr gründete sie die Tanz-Company the guts company. Zusammen mit dem Societaetstheater wurde the guts company für die Spielzeiten 2015/16 und 2016/17 im Fonds Doppelpass von der Kulturstiftung des Bundes gefördert.

2017 erhielt Johanna Roggan / the guts company im Rahmen des Sächsischen Tanzpreises, den Ursula-Cain Preis für ihre Choreografie „Das Eigene/ HEIMAT“.

Johanna Roggan hat, gemeinsam mit Katja Erfurth, die künstlerische Leitung der VILLA WIGMAN inne und engagiert sich intensiv im kulturpolitischen Feld für bessere Arbeitsbedingungen der freien Darstellenden Künste vor allem in Dresden und Sachsen.

thegutscompany.net

Benjamin Schindler ist Filmemacher und Videokünstler. Die Welt des visuellen Erzählens lernte er als Programmkinobetreiber, Fotograf und Zeichner kennen und lieben. Von 2006-2012 studierte er an der Kunsthochschule für Medien Köln mediale Künste. Noch während des Studiums gründete er das Künstlerkollektiv zeitgebilde und begann für Theater- und Opernproduktionen virtuelle Bühnenbilder zu entwickeln. Bis heute sind daraus zahlreiche Kooperationen mit Tanzcompagnien, Musiker*innen und Performer*innen entstanden, mit denen er regelmäßig zusammenarbeitet. Er ist Mitbegründer des Ensembles shortfilmlivemusic, mit dem er u.a. eine filmisch-musikalische Trilogie zur Migrationsgeschichte in BRD und DDR entwarf und dokumentarische Performanceformate international aufführte. Benjamin arbeitet transmedial, findet seine Stoffe häufig im Ausland und filmte in Indien, Gambia, Spanien, Großbritannien, Taiwan und den USA. Seine experimentellen Dokumentarfilme setzen sich u.a. mit der Suche nach selbstbestimmten Lebensformen, dem Einfluss von Geschichten auf Geschichte, mit Identitätssuche von Gesellschaften und dem Einfluss von virtuellen Realitäten auf unsere Wirklichkeit auseinander. Die Filme entstanden u.a. mit arte für das Kino, waren aber auch auf Festivals und teilweise als installative Bearbeitungen in Ausstellungen zu sehen. Seit 2017 ist er Geschäftsführer der zeitgebilde Filmproduktion, eine Ideenwerkstatt für hybride Formen, politische und gesellschaftlich relevante Formate mit Haltung und Anspruch.

zeitgebilde.de