30.08.2019

Granma, #2 – 2019

Kubas Revolution aus der Sicht der Großeltern und Enkelgeneration

Interview von Tom Mustroph mit dem Regisseur Stefan Kaegl

Tom Mustroph: Sie haben ein Stück über die kubanische Revolution und die Perspektive mehrerer Generationen gemacht. War es schwierig für Sie, kubanische Darsteller für „Granma“ zu finden?

Stefan Kaegi: Ich bin seit 2008 immer mal wieder auf Kuba gewesen und habe meist mit den Leuten vom Laboratorio Escénico de Experimentación Social (LEES) zusammengearbeitet. Das sind sehr junge Theatermacher*innen, die frustiert waren, dass die meisten Theater in den Händen von älteren Männern waren. Mit einer Kerngruppe haben wir über ein Jahr hinweg Personen gesucht, die die Revolution aus der Perspektive verschiedener Generationen erzählen können. Ursprünglich wollte ich das Stück mit Alten machen, aber ich wollte keinen „Buena Vista Social Club“. Ohnehin haben die Alten schon zu lange das Sagen gehabt. Die Anfänge ihrer Revolution faszinierten mich aber. Daher haben wir ein Doppelcasting gemacht für Protagonist*innen mit eigenen Geschichten und mit interessanten Großeltern. Auf der Bühne steht jetzt aber die junge Generation Kubas.

Welche Geschichten werden erzählt?

Daniels Großvater besorgte einst die „Granma“, das Schiff, mit dem Fidel Castro nach Kuba kam, und war später unter Castro der erste Umverteilungsminister. Der Großvater von Christian war mit dem berühmten – und später wegen Drogenschmuggels hingerichteten – General Ochoa und seinen kubanischen Truppen in Angola im Einsatz. Dianas Großvater wiederum trat als Musiker auch vor den Truppen Ochoas in Afrika und in Syrien auf. Milagro erzählt über ihre Oma und darüber, wie eine einfache Frau im sozialistischen Kuba zu einem besseren Leben kommen konnte und wie sie selbst auch davon profitierte, indem sie als Schwarze und als Frau studieren konnte. Wir erzählen mit Ausschnitten aus dem Parteiorgan „Granma“, aber auch aus sehr persönlichen Perspektiven, wie Kuba auf Ereignisse in der Welt blickte.

Wie war der Blick von Kuba aus auf die Welt?

1968 wurden zum Beispiel die Studentenproteste in Paris und der Prager Frühling in Kuba ganz anders verstanden als bei uns. Dort stand die große Zuckerernte an. Über den Mauerfall 1989 war in Kuba kaum etwas in der Zeitung zu lesen. Für die kubanische Gesellschaft war damals das gleichzeitige Ende des Kolonialkriegs in Angola und der Prozess gegen Ochoa wichtig. Das erzählen wir dann mit dem Großvater von Christian. Und der zeigt auf, dass, als Kuba in Angola aktiv war, der Westen auf der anderen Seite der Grenze noch die Apartheid unterstützte. Abdruck des Interviews mit freundlicher Genehmigung von ZITTY – Stadtmagazin für Berlin