EURYDIKE? vol. 2

Helmut Oehring

Termine

Uraufführung

Mit EURYDIKE? vol. 2 setzt der international renommierte und vielfach preisgekrönte Komponist, Autor, Regisseur und Choreograf Helmut Oehring seinen aktuellen Zyklus dokumentarpoetischer Werke mit Fokus auf isolierte weibliche Perspektiven in männlich tradierten Dramen fort.

Nach der AudioVideoInstallation mit Performance EURYDIKE vol. 1 beim TONLAGEN Festival HELLERAU / SPOR Festival Århus / KONTRAKLANG Festival der Akademie der Künste Berlin folgen Oehring und Team im audiovisuellen TanzMusikFilmDrama EURYDIKE? vol. 2  Eurydike auf ihrem Weg aus der „Unterwelt“ – aus Isolation und äußerer wie innerer Gefangenschaft – zurück in die Gesellschaft. Dabei spiegeln sie mögliche Existenzen zwischen Opfer- und Täterschaft, Rache und Reue, Versuchen und Scheitern, Utopie und Kapitulation.

Aus der filmischen, choreografierten und visuellen Sprache von EURYDIKE? vol. 1 treten die drei Protagonistinnen in EURYDIKE? vol. 2 in die musiktheatrale Bühnenaktion mit den Instrumentalist*innen. Zugleich portraitiert das TanzFilmRequiem Häftlinge der JVA Dresden und Bautzen – Menschen und ihren Biografien, gefangen zwischen den Extremen von Jahre/Jahrzehnte-langer Haft und gesellschaftlicher wie auch medialer Isolation. In mehrjähriger Begleitung und Zusammenarbeit mit inhaftierten Künstlern der JVA Dresden in Nachbarschaft zum Festspielhaus HELLERAU, die sich in der theater- und kunstpädagogischen Arbeit des Gefängnisses engagieren, integrieren Oehring und Team nicht nur Texte, Audio- und Videomitschnitte ihrer Begegnungen mit den Häftlingen in die Gestalt von Partitur und Realisierung, sondern öffnen den Bühnenraum der Aufführung im Festspielhaus HELLERAU den realen Lebenswelten der inhaftierten Künstler.

Loose ends …

Im Wintersemester 2020/21 begleiteten Dramaturgiestudierende der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy” Leipzig unter der Leitung von Prof. Dr. Regine Elzenheimer den künstlerischen Entstehungsprozess und entwickelten ein Satellitenprojekt mit eigenen Impulsen.
Hier geht’s zum Projekt.

Der Komponist, Autor, Choreograf und Regisseur Helmut Oehring wurde 1961 in Berlin (Ost) geboren. Als Kind gehörloser Eltern ist die Gebärdensprache der Gehörlosen seine Muttersprache, deren räumliche Syntax und Grammatik auch eine der Grundlagen seiner audiovisuellen Partituren, Choreografien und Inszenierungen darstellt. Als Gitarrist und Komponist Autodidakt und wegen mehrmaliger Wehrdienstverweigerung in der DDR nicht zumHochschulstudium zugelassen, wurde er 1990 Meisterschüler von Georg Katzer an der Akademie der Künste zu Berlin. 1990 Stipendiat der Akademie Schloss Solitude und 1994/95 Stipendiat der Villa Massimo in Rom, erhielt er seitdem Auszeichnungen wie den Orpheus Kammeroper Preis Italien (1995), den Hindemith-Preis (1997) und den Arnold-Schönberg-Preis (2008) für sein gesamtes Schaffen, das – seit den frühen Theater-Musiken für Ruth Berg-haus’ Inszenierungenvon Werken Bertolt Brechts am Thalia Theater und den inspirierenden Zusammenarbeiten mit Künstlern wie Peter Greenaway, Robert Wilson, Friedrich Goldmann, Claus Guth, Joachim Schlömer, Michael Simon, Ulrike Ottinger, Maxim Dessau, Lothar Zagrosek, Patrizia Kopatchinskaja, Ingo Metzmacher oder Daniele Abbado – heute ca. 400 Werke nahezu aller Genres umfasst, die weltweit aufgeführt werden. The New Yorker nannte ihn einen der „einflussreichsten audiovisuellen Komponisten neben John Adams, Kaija Saariaho, Björk und Robert Ashley“. 2011 veröffentlichte btb/Randomhouse seine Autobiografie Mit anderen Augen. Vom Kind gehörloser Eltern zum Komponisten, die 2015 in seiner Regie als Hörstück vom SWR produziert wurde und demnächst auf sein Drehbuch und mit seiner Musik verfilmt wird. Helmut Oehring ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin und der Sächsischen Akademie der Künste sowie der Akademie Deutscher Musikautoren. 2015 erhielt er den Deutschen Musikautorenpreis in der Kategorie Musiktheater. 2020/21 ist er Excellence Fellow von Villa Aurora/Thomas Mann Haus in Los Angeles.

www.helmutoehring.de

Die Librettistin, Dramaturgin und Regisseurin Stefanie Wördemann, geboren 1974 bei Hamburg, studierte Musikwissenschaft und Germanistik an der Humboldt Universität zu Berlin und war Gründungsmitglied der Akademie Musiktheater heute – Berlin/Salzburg und des labor für musik:theater Berlin. Nach Regieassistenzen u.a. für Peter Konwitschny an der Deutschen Oper Berlin wurde sie 2001 Musiktheaterdramaturgin am Theater Osnabrück und war 2002–06 Dramaturgin und Redakteurin der Berliner Philharmoniker. Seit 2007 arbeitet sie als Librettistin und Regisseurin, u.a. inszenierte sie gemeinsam mit Helmut Oehring die Uraufführungen der Musiktheater QUIXOTE oder Die Porzellanlanze (UA 2008 im Europäischen Zentrum der Künste Dresden HELLERAU/musica vivaMünchen) und Mahagonny Songspiel/Die WUNDE Heine (UA 2010 mit Salome Kammer und dem Ensemble Modern Oper Frankfurt a.M./Weill-Fest Dessau/Ruhrtriennale Köln), Orfeo14 vol. (UA 2014 mit dem Ictus Ensemble und Emanuelle Haïm/Le Concert d’Astrée an der Opéra Lille) und FinsterHERZ oder Orfeo17 (UA 2017 mit der Kammerakademie Potsdam und geflüchteten MusikerInnen und gehörlosen Geflüchteten in der ARENA Potsdam) sowie KUNST MUSS zu weit gehen oder DER ENGEL SCHWIEG zum 100. Geburtstag Heinrich Bölls (UA 2017 mit dem Ensemble Musikfabrik und an der Oper Köln).

Sounddesigner und Klangregisseur Torsten Ottersberg war als Rockmusiker und Texter tätig, bevor er 1990 als Gründungsmitglied eines experimentellen audiovisuellen Studios am Filmkunsthaus Babylon/Berlin-Mitte arbeitete. 1992 begann die intensive Zusammenarbeit mit Helmut Oehring mit der Gründung des Elektronischen Studios GOGH surround music production  (das Studio als Instrument), als Plattform für Audioproduktionen zeitgenössischer Musik, elektroakustischer Experimente und installativer Arbeiten, das bis heute u.a. Werke zeitgenössischer Komponisten im Bereich Oper, Theater, Konzert, Video und Film mit vorproduzierter und Live-Elektronik realisiert. Seither konzentriert Ottersberg seine Arbeit auf Bereiche wie Surroundproduktion und Surround-Liveproduktion. Er verantwortet die Audio-Konzeption und Realisierung von Produktionen zeitgenössischer Musik und zeitgenössischen Musiktheaters auf europäischen Bühnen und bei internationalen Festivals. In den letzten Jahren realisierte er seine Soundkonzepte u.a. in der Berliner Philharmonie, der Carnegie-Hall New York, der Eremitage St. Petersburg, der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf, der Staatsoper im Schillertheater Berlin und im Großen Festspielhaus bei den Salzburger Festspielen.

Die gehörlose Tänzerin, Choreografin und Schauspielerin Kassandra Wedel lebt in München und studierte dort Theaterwissenschaften und Kunstpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität. Seit 2004 tanzt und choreografiert sie in Tanzgruppen mit Gehörlosen und Hörenden und gründete 2005 die Nikita Dance Crew. 2008 absolvierte sie ihre Hip Hop Coach Ausbildung und wirkte als Tänzerin mehrfach in Musikvideos; 2012 wurde sie zweifache Deutsche Hip Hop Meisterin und Weltmeisterin im Solo und Duo der inklusiven Hip Hop Meisterschaften. Seit 2012 ist sie Ensemblemitglied des Deutschen Gehörlosen Theaters, wo sie u.a. 2014–2016 die Titelrolle in Alice im Wunderland innehatte. 2015 spielte sie im ZDF TatortTotenstille“ in der Regie Zoltan Spirandellis die viel beachtete Rolle einer gehörlosen Tanztrainerin. 2016 gewann sie den Pro 7 Wettbewerb Deutschland tanzt und wurde einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. 2017 übernahm sie an der Oper Wuppertal die Titelrolle in der Neuinszenierung von Helmut Oehrings Oper AscheMOND oder The Fairy Queen und inszenierte ihr eigenes Tanztheaterstück The Dress mit dem Alphatanztheater. Seit 2017 ist sie in Verena Regensburger LUEGEN an den Münchner Kammerspielen zu erleben sowie in Mädchen wie die am Staatstheater Hannover 2018 in der Regie von Wera Mahne. 2018 inszenierte sie zusammen mit Valerie Marsac Fil frz. Faden und war die Solistin in Verena Regensburgers die Dada im Theater Hoch X. Aktuell ist sie die Protagonistin in Helmut Oehrings neuem TanzMusikFilm BEETHOVEN? Der erlösende Fehler mit dem Ensemble Musikfabrik (DVD Release August 2021).

Mia Carla Oehring wurde 2005 in Berlin geboren und  absolviert neben ihrer gymnasialen Ausbildung mit Schwerpunkt Schauspiel/Theater ihre musikalische Ausbildung als Gitarristin und Singer/Songwriterin sowie ihre tänzerische Ausbildung in Ballett, Contemporary und Modern/Jazz Dance sowie Hip Hop. Seit 2013 wirkt sie als Kinder- und Jugenddarstellerin für Bühne, Hörspiel und Film. Sie übernahm als Musikerin, Darstellerin und Tänzerin Hauptrollen in den Uraufführungen von den Musiktheatern JONA, JONAS und der WAL neben Sewan Latchinian am Volkstheater Rostock (2015/16), in FinsterHERZ oder Orfeo17 mit David Moss und der Kammerakademie Potsdam (2017) und in KUNST MUSS (zu weit gehen) oder Der Engel schwieg mit dem Ensemble Musikfabrik an der Oper Köln (2017). In der erfolgreichen Hörspiel-Serie Papa, Kevin hat gesagt vom rbb/Kulturradio, deren dritte Staffel 2020 ausgestrahlt wurde, personifiziert sie als Greta die Hörspiel-Tochter von Bastian Pastewka.

Dauer ca. 70 Minuten ohne Pause

TanzMusikFilmDrama auf Monteverdis L’Orfeo, dokumentarische Texte aus Gesprächen mit Inhaftierten der JVA Dresden und JVA Bautzen sowie dokupoetische Texte Helmut Oehrings

für eine gehörlose Tänzerin/Vokalistin, eine E-Gitarristin/Tänzerin/Vokalistin, eine Geigerin/Tänzerin/Vokalistin,
Instrumentalensemble, 2Kanal-Video, 8.1Kanal-Audio + Live-Elektronik unter Mitwirkung von Häftlingen der JVA Dresden und JVA Bautzen und des Häftlingschores der JVA Dresden

Komposition + Kamera + Regie + Choreografie + künstlerische Leitung: Helmut Oehring

Textbuch + Dramaturgie + Fotografie + Coregie + Inspizienz: Stefanie Wördemann

Sound-/Videoproduktion + Live-Elektronik + Klangregie: Torsten Ottersberg / GOGH s.m.p.

gehörlose Tänzerin/ Vokalistin: Kassandra Wedel

E-Gitarristin / Tänzerin / Vokalistin: Mia Carla Oehring

Geigerin (auch Violine Ensemble) / Tänzerin / Vokalistin: n.n.

Gitarren: Helmut Oehring

Instrumentalensemble (Vl, Vlc, BKl/Kbkl, Ob, Pno/Keyb/gr.Tr.): n.n.

Inhaftierte der JVA Dresden und JVA Bautzen

Häftlingschor der JVA Dresden

Kompositionsauftrag des Europäischen Zentrums der Künste HELLERAU

Finanziert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung

Gefördert mit Mitteln der Kulturstiftung des Bundes.

 

 

Festival
Sa 05.02.2022 Sa 05.02.
2022
Musik

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