Der Prozess – nach Franz Kafka

Krystian Lupa (PL)

„Jemand muss Lügen über Josef K. verbreitet haben, denn ohne etwas falsch gemacht zu haben, wurde er eines Morgens verhaftet“. Dies ist der erste Satz der geheimnisvollsten und provokantesten Geschichte der Weltliteratur. Je weiter wir in die unerbittlichen Sätze einsteigen, desto dunkler wird es … Wir erfahren nie, warum der Protagonist verhaftet wurde und wessen er beschuldigt wird. Wir erfahren auch nie, ob er wirklich unschuldig ist … Er weiß es auch nicht …
Er weiß weniger und weniger, aber er unternimmt verzweifelte Anstrengungen, in einem ungleichen Kampf mit dem Unbekannten. Aber wie kann man die Strategie dieses Kampfes verstehen oder akzeptieren, wenn die Konfrontation beider Seiten unseren Sinn für Logik und Realität untergräbt?
Die unglückliche Realität dessen, was passiert, erlaubt es uns nicht, draußen zu stehen und erinnert an beunruhigende persönliche Analogien …
Ich bin es, wir sind es – WIR SIND GEFANGEN …
Wir befinden uns auf einer Reise, auf einem lästigen Flug in eine dunkle ABSURDITÄT, in einem absurden Dialog mit dem Menschen auf der anderen Seite, der seltsamerweise den Absurditäten und Dialogen in unserer gegenwärtigen polnischen Realität nahe steht …
(Krystian Lupa)

Krystian Lupa, der Regiemeister des polnischen Theaters, insbesondere bekannt geworden durch seine intensive Beschäftigung mit den Texten von Thomas Bernhard, hat sich nun zum ersten Mal mit dem Roman „Der Prozess“ von Franz Kafka auseinandergesetzt. Die Geschichte der Inszenierung spiegelt in besonderer Weise die gegenwärtigen politischen Verhältnisse in Polen, die sich auch auf die Kunst- und Kulturszene auswirken. Nach der Adaption des Romans für sein Ensemble im Theater Polski in Wroclaw, begann Lupa im Frühjahr 2016 mit den Proben. Er konnte jedoch aufgrund des Wechsels an der Theaterspitze, die im Einklang mit der ultra-konservativen Regierung in Warschau agiert, seine Inszenierungsarbeit nicht fortsetzen. Mit Hilfe und Unterstützung von mehreren Theatern in Warschau und aus dem Ausland, u. a. HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, konnte er nach einer Pause schließlich die Proben zu Ende führen und im Herbst 2017 die Premiere am Nowy Teatr in Warschau herausbringen. Sein „Prozess“ trägt noch immer die Narben dieser Inszenierungsgeschichte und nimmt Bezug auf sein zunehmend kafkaeskes Land.

Deutschland-Premiere | Polnisch mit deutschen Untertiteln

Dauer: ca. 5 Std., 2 Pausen

Künstlergespräch mit Krystian Lupa am 02.12., 14 Uhr

Tipp: Bonusmaterial Arte

Regie, Adaption, Szenografie und Beleuchtung: Krystian Lupa
Kostümbild: Piotr Skiba
Musik: Bogumił Misala
Video, Zusammenarbeit Beleuchtung: Bartosz Nalazek
Animationen: Kamil Polak
Maske: Monika Kaleta

Besetzung: Bożena Baranowska, Maciej Charyton, Małgorzata Gorol, Anna Ilczuk, Mikołaj Jodliński, Andrzej Kłak, Dariusz Maj, Michał Opaliński, Marcin Pempuś, Halina Rasiakówna, Piotr Skiba, Ewa Skibińska, Adam Szczyszczaj, Andrzej Szeremeta, Wojciech Ziemiański, Marta Zięba, Ewelina Żak

Zusammenarbeit Dramaturgie, Regieassistenz: Radosław Stępień, Konrad Hetel
Videoassistenz, Kamera: Natan Berkowicz
Kostümbildassistenz: Aleksandra Harasimowicz
Porno-Buchillustration, Porträt des Anwalts: Andrzej Kłak
Titorelli’s trostlose Landschaft: Ninel Kameraz-Kos
Bühnenmeister, Kamera:Sylwia Merk

Hauptproduzent: Nowy Teatr

Produzenten: Studio teatrgaleria; Teatr Powszechny; TR Warszawa; Le Quai Centre Dramatique National Angers Pays de la Loire

Koproduzenten: Kunstenfestivaldesarts, Brüssel; Printemps des Comédiens, Montpellier; Odéon Théâtre de l’Europe, Paris; Festival d’Automne à Paris; La Filature, Scène nationale- Mulhouse; Théâtre du Nord, Lille; La rose des vent – Scène nationale Lille Métropole Villeneuve-d’Ascq; HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden;  Onassis Cultural Centre-Athens

Partner: Teatr Polski mit Podziemiuu

Mitfinanziert von Miasto Stołeczne Warszawa

Gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung, das Adam-Mickiewicz-Institut und die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts.