Ida Toninato (CA) Musik 2019/20

Ida Toninato (CA) Musik 2019/20

Partnerprogramm: Conseil des arts et des lettres du Québec

Disziplin/Genre: Musik

Projekt in HELLERAU: Deep resonances

Mein Projekt ist von der städtischen Energieversorgung und der Geometrie, die diese in der Stadt Dresden zeichnet, inspiriert. Ich liebe es überall wo ich hingehe diese Verstrickungen zu beobachten und bin der Meinung, dass sie ziemlich viel über jede Stadt aussagen. Manchmal verschmelzen sie mit der städtischen Vegetation, manchmal ziehen sie sehr klare Linien am Himmel. Ich plane die urbane Geometrie, die ich in Dresden finden werde für die Komposition eines Stückes für Baritonsaxophon und Elektronik zu nutzen. Eine Auswahl der hier aufgenommenen Bilder wird der Ausgangspunkt für kompositorische Gesten, Unisono, Verschiebungen in Reichweite und Dynamik und Register sein.

Was inspiriert dich?
Ich bin eine Liebhaberin der tiefen Frequenzen, wirklich. Ich könnte nicht ohne Subwoofer, Vibrationen und Schläge leben. Ich liebe es auch die Welt um mich herum zu beobachten und Verbindungen herzustellen zwischen dem, was ich sehe und dem, wie ich höre. Die meisten meiner Arbeiten entspringen aus dem Wunsch oder der Notwendigkeit, eine Struktur in diese Rohstoffe zu bringen. Mich fasziniert der Prozess, wie man in der Ekstase des Klangs ein Gleichgewicht finden kann: was zunächst die Explosion von Teiltönen ist, wird durch Strukturierung zu einer klaren Idee.
Was ich am meisten daran liebe, Musikerin und Komponistin zu sein, ist wahrscheinlich der endlose Aspekt des Spiels: Wir lernen und entwickeln unser ganzes Leben lang weiter.

Deine ersten drei Gedanken zu HELLERAU?
Es ist fernab von allem! Also mein erster Gedanke ist “Fokus”. Die Idee, weit weg von zu Hause zu sein und sich auf ein bestimmtes Projekt fokussieren zu können, bekommt hier eine sehr „wahre“ Bedeutung. Bevor ich Montreal verließ, fühlte ich mich von endlosen To-Do’s, Besprechungen, Proben, Auftritten überwältigt und ich dachte daran, wie schön es wäre, sich einfach konzentrieren und arbeiten zu können. Nun, ich glaube das Universum hat mir in diesem einen Punkt wirklich zugehört! HELLERAU fordert eine Einfachheit in meinem Alltag. Abgesehen vom Arbeiten, Lesen und Kochen mache ich hier nicht viel und das macht mir wirklich Spaß. Die Zeit fern ab von einem rasanten Leben, kombiniert mit Shows, die wir hier sehen können, ist die perfekte Kombination, um etwas zu erreichen. Außerdem gefällt mir die Organisation des Teams sehr gut und ich fühle mich privilegiert, hier zu sein.

Wie würdest du deine Arbeitsweise beschreiben?
Es ist im Grunde genommen intuitiv. Ich beginne damit, für mich selbst Ideen und Material zu sammeln, mit denen ich arbeiten möchte. Hier in HELLERAU habe ich also zum Beispiel viele Bilder von Drähten und viele Stunden Material an aufgenommenen, tiefen Tönen. Ich spiele, schaue und höre zu. Dann lasse ich es etwas sacken, während ich etwas anderes mache. Danach gehe ich zurück und alles fängt wieder von vorne an: Ich spiele mit den verschiedenen Möglichkeiten des Strukturaufbaus und versuche Verbindungen zwischen verschiedenen Teilen zu finden. Dabei ist Improvisation ein Werkzeug, das mich durch die Klangforschung führt. Seit einigen Jahren aber habe ich auch einen etwas formaleren Ansatz für das Musizieren und die Komposition gefunden.