Bernadette La Hengst (DE) Musik 2020/21, Foto: Eike Böttcher und Klaus Hengst

Bernadette La Hengst (DE) Musik 2020/21

Genre: Musiktheater/Performance

Kurzbeschreibung des Projektes:
Eine Revue Passé über familiäre und gesellschaftliche Fliehkräfte

Bernadette La Hengst begibt sich mit ihrer 16-jährigen Tochter und dem Publikum auf eine musikalische Spurensuche zu den Lebensstationen ihrer Mutter zwischen Schlesien, der DDR, dem Libanon und der BRD. Mutter**Land schlägt den Bogen zum aktuellen Umgang mit Flucht und Vertreibung. Inszenierte Dialoge und Gesangsduette zwischen Bühne und Film, Mutter und Tochter, mit dem Publikum vollzogene Rituale – und La Hengsts Songs changieren vom Mikro- zum Makro-Kosmos einer Gesellschaft, in der Migration eine kulturelle Grundlage ist.

Was inspiriert dich?

Für dieses Projekt bin ich inspiriert von der Spurensuche nach der Geschichte meiner Mutter, die schon sehr früh gestorben ist. Ihre Flucht als Kind von Schlesien über die DDR in die BRD wurde mir von meiner Tante erzählt, die mir bereitwillig ein Interview gab, weil sie sich nach 2015 von den vielen syrischen Geflüchteten an ihre eigene Flucht und Vertreibung erinnerte. Ich war an verschiedenen Orten, an denen meine Mutter gelebt hat, unter anderem in Polen/Schlesien und in Beirut/Libanon. Ich bin auch inspiriert von dem Buch „Kalte Heimat“ von Andreas Kossert, der sich mit der Geschichte der 14 Millionen Vertriebenen nach 1945 auseinandergesetzt hat. Zusammen mit meiner 16jährigen Tochter versuche ich zu verstehen, was diese Geschichte mit uns und der Welt gemacht hat.

Deine ersten Gedanken zu Hellerau?

  • Ein Ort der widersprüchlichen Geschichte des letzten Jahrhunderts, insofern der perfekte Ort für meine performative Zeitreise.
  • Was für eine fantastische Möglichkeit, im Lockdown woanders zu arbeiten als zu Hause, ich kann kein homeoffice mehr sehen.
  • Ein Ort, an dem ich Musik höre, Freiheit der Gedanken spüre und die Zukunft des Theaters fühlen kann.

Wie würdest du deine Arbeitsweise beschreiben?
Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen, führe Interviews und sammle Geschichten. So entstehen die Ideen für meine meist partizipativen Theaterprojekte. Oft arbeite ich mit größeren Gruppen von Menschen zusammen, wie mit Obdachlosen, Feministinnen, Senior*innen, Kindern, Geflüchteten, etc. Ich nenne mich selbst auch Bedingungslose Chorleiterin, denn ich bin mittlerweile Expertin im Gründen von Laien-Chören in performativen Stadt- und Dorfprojekten. Die Liedtexte dafür entstehen meistens in kollektiven Schreibworkshops.

Dieses Mal werde ich alleine auf der Bühne stehen, im Video ist meine 16jährige Tochter Ella zu sehen, die meine Mutter verkörpert sowie sich selbst. Wir erforschen zusammen ihre Geschichte und wollen verstehen, was das mit unserem Leben und dem Umgang mit Flucht und Vertreibung zu tun hat.