Agnes Hvizdalek (NO/AT) Gesang 2019/20, Foto: Lisi Charwat

Agnes Hvizdalek (NO/AT) Gesang 2019/20

Disziplin/Genre: Gesang (genreübergreifend)

Projekt in HELLERAU: Abstrakte Vokalmusik

Die Formel für meine Musik ist ganz einfach: Das Mögliche minus das Normale plus das, was mir besonders gut gefällt. Im Fokus steht meine Faszination für die menschliche Stimme mit all ihren Facetten: zum einen die Unmittelbarkeit und Direktheit, das Individuelle und gleichzeitig auch das universelle, verbindende Element. Im Laufe der letzten Jahre habe ich in vielen unterschiedlichen Bereichen aktiv sein dürfen und in zahlreicher Zusammenarbeit wertvolle Erfahrungen sammeln können.

Die Zeit in HELLERAU möchte ich nutzen, um mich auf mein Solo-Projekt zu konzentrieren und Konzepte für eigeninitiierte Kollaborationen zu entwickeln.

Was inspiriert dich?

Die Art wie jemand ein S im Mund platziert oder eine Nachdenkpause zwischen zwei Wörtern einfügt. Ein einzelner Ton, ein Stein, ein Lichtstrahl oder der Abstand zwischen zwei Objekten in Relation zu deren Hintergrund. Für mich ist schnell mal etwas poetisch und mich inspiriert alles mögliche. Vor allem das Unmögliche, das doch möglich ist und sogar normal wird. Menschen brauchen teilweise unglaublich viel Zeit, um die Wahrheit nehmen zu können, wie sie ist und verunmöglichen dadurch das, was sie nicht für möglich halten.

Musik ist ein wunderbarer Teilchenbeschleuniger, mit dem man das Phänomen Wahrnehmung leicht verdaulich, kulinarisch aufbereiten und in Marmeladengläser abfüllen kann.

Deine ersten drei Gedanken über HELLERAU?

Ein seltsamer Ort, wo vieles möglich ist.

Ein Brennpunkt künstlerischer Visionen im Herzen Europas, tendenziell abgeschottet von realpolitischer Brutalität.

Ein perfekter Ort, um aus sich heraus zu gehen, um in sich hinein zu schauen, Perspektiven zu wechseln, zu hinterfragen, zu reflektieren, zu fokussieren und neues zu entwickeln. Ich bin überglücklich und dankbar für die Möglichkeit drei Wochen an diesem selten luxuriösen Ort arbeiten zu können und hier das, was mein Alltag ist, im Ausnahmezustand unter die Lupe zu nehmen.

Wie würdest du deine Arbeitsweise beschreiben?

Als experimentelle Musikerin bin ich stets außerhalb existierender Genres unterwegs – immer gern überall auf Besuch, aber nirgends zu Hause. Ich habe mich immer überdurchschnittlich für das Rundherum der Musik interessiert und es war früh klar, dass ich keine „normale“ Sängerin sein will. Ich wollte das Instrument Stimme nicht nur im musikgeschichtlich klassischen Sinn studieren. Mein Fokus lag immer auf dem hier und jetzt und wie es weiter geht. Meine Projekte sind immer Vorschläge, was Gesang noch alles sein kann. Daraus hat sich ein normativer, forschender Ansatz entwickelt, wobei ich einerseits sehr akribisch vorgehe, andererseits der Intuition folge, da die Musik glücklicherweise nur dann funktioniert, wenn beides gleichzeitig beachtet wird. Verkopft klingt einfach nicht und das hört man auch.