Æ, Foto: Nickolas Meneschal
01.02.2021

„Ich finde es gut, mich durch nichts zu definieren“, #1 – 2021

Das Künstler:innenduo Æ mit Akila Subiyakto (ID) und Elias Graversen (BO/DK) gründete sich im Herbst 2019. Während ihrer HELLERAU-Residenz im November 2020 arbeiteten sie an ihrem ersten Album. Mit Eleanor Müller und Janne Arp (HELLERAU) sprachen sie über ihren Schaffensprozess und die Residenz.

Was hat euch inspiriert, die Band zu gründen?

Elias (EG): Wir lernten uns durch meinen Freund kennen, der mit Akila zusammen studiert hat. Zuerst haben wir nur ein Lied geschrieben: „blind enough“. Dann kam die Idee, eine EP* zu machen. Seit ich in Berlin studiere, habe ich in vielen Bands gespielt. Ich liebe den Live-Aspekt der Musik. Aber irgendwann wollte ich auch Musik als Duo und in einem anderen Stil machen. Darin liegt ein anderes Gefühl der Freiheit.

Akila (AS): Für mich ist es das Gegenteil, denn ich habe früher immer allein gearbeitet. Ich fand es meistens einfacher und dachte, dass niemand meine Ideen nachvollziehen kann. Aber dadurch wird man sehr perfektionistisch, und wenn jemand meine Musik kritisierte, hatte ich oft das Gefühl, ich werde persönlich angegriffen. Es war sehr schwer für mich, mich von meiner Arbeit zu distanzieren. Genau das habe ich gelernt, als ich mit Elias musizierte, denn er weiß, wie man Kompromisse eingeht.

Eure Lieder handeln von Postkolonialismus, Liebe und Sexualität. Wie verbindet ihr diese Themen?

AS: Ich komme aus Indonesien und lebe seit vier Jahren in Deutschland. Die Idee von Liebe, mit der ich in Indonesien aufgewachsen bin und die Idee von Liebe hier in Europa sind unterschiedlich. In der indonesischen Kultur setzen wir „Weiße“ immer über uns. Das war mir nicht bewusst. Ich fühlte mich wie in einem Film, wenn ich mit europäischen Männern oder Frauen ausging, stellte sie irgendwie immer über mich. Diese verzerrte Wahrnehmung ist eine Folge des Postkolonialismus. Aber Liebe muss gleichwertig sein.

EG: Meine Mutter ist Dänin und mein Vater kommt aus Bolivien, und wenn man aufwächst, werden einem diese Differenzen nach und nach bewusst. Da ist diese riesige Plakatwand mit einem großen blonden Model mitten in La Paz in Bolivien, wo fast niemand so aussieht. Und dann vergöttert man diese Art des Aussehens, und schafft es nicht mehr, sich selbst zu sehen.

AS: Wir haben auch einen Teil der Unabhängigkeitsrede des indonesischen Präsidenten über die Freiheit in unser Lied aufgenommen. Wir wollen hörbar machen, dass wir vom Kolonialismus und der Unterdrückung zwar befreit, aber noch immer davon beeinflusst sind.

Ich weiß jetzt, dass ich nicht indonesisch bin, nicht europäisch, ich bin nur Akila. Ich finde es gut, mich durch nichts zu definieren.

Sind eure Themen auch im Musikstil wiederzuerkennen?

EG: Wir haben ursprünglich mit Crossover angefangen: R&B mit ein paar Trap-Elementen in einigen unserer Tracks. In HELLERAU haben wir uns mehr mit Indie und auch etwas Techno beschäftigt. Mir war diese Art von Musik sehr neu, und ich hätte persönlich nie gedacht, dass ich jemals über einen Trap-Beat singen würde. Das Coole am Ganzen ist meiner Meinung nach, dass wir über relativ ungewöhnliche Dinge singen, die man nicht allzu oft hört.

AS: Die Art und Weise wie Elias schreibt, ist wirklich poetisch. Wenn man heutzutage Popmusik hört, singen die Künstler:innen immer über Liebe, Sex und Geld. Unsere musikalische Richtung ist auch so, aber die Texte sind das genaue Gegenteil.

EG: Es ist der Kontrast! Man hat diesen Beat und dazu zwei Softies, die singen.