Outernational, Foto: Arnaud Ele

SPALTEN, TEILEN

Symposium zu Diversität, Kategorien und Gerechtigkeit in zeitgenössischen Musiken

Termine

12:00 – 18:00 Uhr | Kuratiert von Elisa Erkelenz, moderiert von Dahlia Borsche und Leonie Reineke

Kategorien durchziehen unser Denken – auch in der zeitgenössischen Musik. Genres werden eingeteilt, das Dies- und Jenseits des Kanons behauptet, Grenzen zwischen freier Szene und Institution demarkiert. Die aktuelle Zeit der Pause fordert uns zu neuen Blicken und Debatten auf: Was wäre, wenn wir wirklich divers denken und hören? Was wäre, wenn wir wieder mehr teilen, statt zu spalten?

In drei Panels wird über entsprechende Handlungsräume einer solidarischen, musikalischen Zeitgenossenschaft diskutiert: von Fragen der postmigrantischen Szenen an die neue Musik, über mögliche Partnerships zwischen Institutionen und freier Szene zu politischen Setzungen, die künstlerische Freiräume schützen und ausweiten.

Panel 1: 12:00 Uhr
„Desintegriert Euch“ – Neue Musik im postmigrantischen Diskurs

Kübra Gümüşay beschäftigt sich in ihrem jüngsten Buch mit der Problematik von sprachlichen Kategorien für unser Denken, Max Czollek hat als Provokateur der Theaterlandschaft mit seinem Buch „Desintegriert Euch“ den postmigrantischen Diskurs auf ein neues Level gehoben. Mit dem Komponisten Jessie Cox und den beiden künstlerischen Leiter:innen des multidiversen Berliner Trickster Orchestra, Ketan Bhatti und Cymin Samawatie, kommen wir ins Gespräch: Welche künstlerischen Möglichkeitsräume bietet die postmigrantische Multiperspektivität auch für die zeitgenössische Musik? 

  • Ketan Bhatti und Cymin Samawatie, Trickster Orchestra
  • Jessie Cox, Komponist
  • Max Czollek, Autor
  • Kübra Gümüşay, Autorin und Rednerin
  • Moderation: Dahlia Borsche, Berliner Künstlerprogramm des DAAD

Panel 2: 14:00 Uhr
Freie Szene, freier Fall? Allianzen zur Institution

Die aktuelle Zeit der Pause schält eine alte Frage neu heraus: Wie können wir fruchtbare Synergien und Allianzen zwischen freier Szene und institutionellen Strukturen denken und realisieren? Welche Schwellen gilt es zu überwinden, ob rechtlicher, politischer, gedanklicher Natur? Kann die freie Szene Konzerthäuser und größere Festivals gar zurück zur politischen Relevanz führen und ihre Rolle als Anker der lebendigen Stadtgesellschaft stärken? Und wie können wir ein solidarisches Modell finden, das künstlerische Freiräume und Vielstimmigkeiten schützt und auf Augenhöhe moderiert? 

  • Margareta Ferek-Petric, Biennale Zagreb
  • Matthias Mohr, radialsystem
  • Sonja Lena Schmid, Decoder Ensemble
  • Steven Walter, Beethovenfest Bonn
  • Moderation: Leonie Reineke

„Die Zukunftsfähigkeit kultureller Institutionen und bestimmter Genres – etwa der Klassischen Musik – wird nicht durch Vermittlungsprogramme und spannende Konzertformate entschieden, sondern durch die Befragung dessen, wer Begriffe wie „klassisch“, „zeitgenössisch“ oder „neu“ für sich beansprucht, wer durch sie repräsentiert und wer von ihnen ausgeschlossen wird. Wir müssen uns der Frage stellen, warum wir uns seit Jahrhunderten auf einen Kanon beziehen und institutionelle Strukturen fortschreiben, die im Zeichen des systematischen Ausschlusses, der Marginalisierung und Diskriminierung entstanden sind. Die Zukunft einer institutionalisierten Kunstmusik bedeutet ihre Gegenwart und ihre Vergangenheit jenseits einer westlichen, vorwiegend weißen und männlichen Deutungshoheit abzubilden. Nur dann kann sie relevant sein.“ Matthias Mohr, radialsystem 

Panel 3: 16:00 Uhr
Nachhaltigkeit durch neue politische Setzungen 

Auch mit Blick auf die Förderung der freien Szene im Vergleich zu Institutionen legt die aktuelle Pause große Ungleichheiten offen. Wie können wir eine lebendige freie Szene und künstlerisch produktive Ensemblelandschaft in der neuen Musik erhalten? Nach dem Blick auf die Institutionen lenken wir die Diskussion auf kulturpolitische und förderpolitische Setzungen auf toxische Hierarchien einerseits und andererseits auf Ansätze, ein einzigartiges Biotop nachhaltig zu schützen. 

  • Gregor Hotz, Musikfonds e.V.
  • Annekatrin Klepsch, Zweite Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Dresden, Beigeordnete für Kultur und Tourismus 
  • Lena Krause, FREO
  • Katja Lucker, Musicboard Berlin GmbH
  • Henning Mohr, Kulturpolitische Gesellschaft
  • Ruth Velten, LUX:NM
  • Moderation: Leonie Reineke

„Einigen Überlegungen muss sich die Kunst- und Kulturszene – und die Freie Szene ist davon nicht ausgenommen – allerdings selbst stellen. Geht man davon aus, dass der Einsatz von Steuergeldern durch den Rückhalt maßgeblicher Anspruchsgruppen und der Bevölkerung insgesamt legitimiert werden muss, stellt es ein Problem dar, dass sich angeblich nur fünf Prozent der Bevölkerung für die sogenannte Hochkultur interessieren. Wenn dieser Prozentsatz angehoben werden soll, muss sich etwas ändern. Mehr Geld alleine wird das Problem nicht lösen, es braucht andere Förderstrukturen und -ansätze. Und es braucht die Anstrengung der Künstler:innen – wir müssen versuchen, die anderen 95 Prozent der Gesellschaft zu erreichen. Leicht ist das nicht, aber ich sehe viel Potenzial.“ Gregor Hotz, Musikfonds 

Support-Ticket: TONLAGEN#seidabei
Die Streams sind kostenfrei zugänglich. Doch Kunst kostet Geld. Die Herausforderung, ein digitales Programm in diesen Zeiten zur Verfügung zu stellen, ist groß. Mit dem Support-Ticket: TONLAGEN#seidabei gibt es die Möglichkeit die aufwendige Produktion des TONLAGEN Festivals finanziell zu unterstützen.
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Kuration: Elisa Erkelenz, Moderation: Dahlia Borsche und Leonie Reineke

Mit: Ketan Bhatti, Jessie Cox, Max Czollek, Margareta Ferek-Petric, Kübra Gümüşay, Gregor Hotz, Annekatrin Klepsch, Lena Krause, Katja Lucker, Henning Mohr, Matthias Mohr, Cymin Samawatie, Sonja Lena Schmid, Ruth Velten und Steven Walter.

In Kooperation mit inm / field notes, Outernational und dem VAN Magazin

 

 

Festival
Sa 01.05.2021 Sa 01.05.
2021
12:00
online
Gespräch/ online
kostenfrei oder Support-Ticket

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12:00 – 18:00 Uhr | Kuratiert von Elisa Erkelenz, moderiert von Dahlia Borsche und Leonie Reineke
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