Foto: Tom Dachs
03.02.2021

Mit Kompass, #1 – 2021

Seit 2017 arbeitet die Sebastian Weber Dance Company in Leipzig mit einem festen Ensemble, einer Band, einer choreografischen Assistentin, einer Produktionsleitung, einer PR-Crew. Der künstlerische Leiter der Company spricht über Mut, Strategien undleise Hoffnungen.

Sebastian Weber, es gibt nicht so viele überregional tanzende Kompanien aus Sachsen, erst recht nicht mit eigenem Ensemble. Was ist wichtig daran?

Am Anfang gab’s nicht so sehr die Idee, ein neues Ensemble aufzubauen. Ich wollte meine choreografischen Methoden – eigentlich den Stepptanz – neu erfinden. Aber der gemeinsame Prozess beflügelt. Wir haben alles ausprobiert. Daraus ist ein enormer Schub entstanden, das ist bis heute der Kern. Kompanie und Arbeit sind eins. Wie ein Expeditionsteam: Die Situation kann sich ändern, soll sich sogar ändern. Aber das Teamsteht.

Wie stellt man eine Kompanie strategisch auf?

Ich habe Wünsche und Visionen für die Kompanie, unabhängig von Ideen für einzelne Stücke. Mein lick in die Zukunft besteht aus 20 Prozent Plan und 80 Prozent Beweglichkeit. Der Trick ist, ein starkes Gefühl, einen Kompass dafür zu haben, was gut für die Kompanie ist. Dann kann sich das Wetter zwar rasant ändern, aber wir verlieren trotzdem nicht so leicht die Orientierung.

Ohne Fördermittel geht es nicht.

Wenn ich zum Beispiel eine dreijährige Konzeptionsförderung erhalten möchte, muss ich darstellen, was ich in den Jahren vorhabe. Die Fragen, die ich in solchen Anträgen beantworten muss, helfen mir, meine eigenen Ideen zu verstehen. Das schärft meinen Blick.

Was ist die größte Herausforderung, wenn man versucht, langfristig zu arbeiten?

Ich muss versuchen, mehrjährige Fördermittel zu akquirieren, um meinem Team und meinen Partnern Perspektiven bieten zu können. Und ich muss Verbündete finden. Also starke Häuser oder Festivals, die sich für uns entscheiden, regional wie international. Ich sage allen, wir suchen Partnerschaften, nicht Jobs.

Wenn schon zeitgenössischer Tanz eine Nische ist, dann Stepptanz erst recht! Wie kann man dieser Nische entkommen und wohin?

Stepptanz als Label ist Fluch und Segen. Manche finden es cool, dass wir da was Neues machen. Die denken sich, so wie es auch Neuen Zirkus gibt oder Nuevo Flamenco, macht der Weber halt Neuen Stepptanz. Andere haben da prinzipiell keine Lust drauf. Das ist ja auch eine Frage, wie inklusiv die Ästhetik eines Hauses, eines Festivalprogramms sein will.

Wofür soll der Name Sebastian Weber Dance Company stehen?

Über den Namen denke ich nicht nach. Ich habe immer das Gefühl, Anfänger zu sein. Fast Hochstapler. Wir versuchen aber schon, einen hohen Anspruch an uns zu stellen. An unsere Fitness, unsere Technik, unsere Kreativität und unsere Verpflichtung einander gegenüber. Mein Traum wäre: Die Kompanie wird so stark, dass wir keine Angst haben müssen, dass morgen alles vorbei ist. Wir haben mal unsere Wünsche aufgeschrieben: ein eigenes Proberaumzentrum. Holzboden. Eine Junior-Kompanie. Eine Japan-Tournee … Warum eigentlich nicht?

Gekürzte Fassung; der vollständige Artikel erschien in der Zeitschrift tanz, November 2020.