Grafik: Teresa Schönherr
26.06. – 23.07.2020

dgtl fmnsm

disconnect

Online-Residenz-Programm 2020

Den Fragen, welche virtuellen Potentiale in den zeitgenössischen Performing Arts liegen und wie ein Theater der Zukunft in digitalisierten Gesellschaften aussehen kann, widmet sich das Kollektiv dgtl fmnsm seit 2016 in regelmäßigen Formaten online und offline. Nach dem Themenschwerpunkt „Intimität“, fokussierte dgtl fmnsm zuletzt mit einer immersiven Installation in HELLERAU und einem Online-Festival im Hebbel am Ufer Berlin (HAU) den Themenkomplex „Disconnect“, jedoch ohne vorhersehen zu können, wie (sur-)real sich diese spezifischen Fragen 2020 vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie stellen würden.

Den Abschluss des Themenzyklus „Disconnect“ bildet ein einmonatiges Online Residenz Programm auf www.digitalfeminism.net. Vom 26.06. – 23.07.2020 sind Künstler*innen und Netzwerke verschiedener Sparten zu einem jeweils einwöchigen Webseiten-Take Over eingeladen.

Den Anfang macht die Schweizer Performance-Künstlerin Anna Fries, die mit ihrem digitalen Body-Essay “The Host” in den Bauch des schwangeren Monsters einlädt. In der einnehmenden multidimensionalen Video-Installation, die im Rahmen des Residenz zum ersten Mal präsentiert wird, können die Zuschauer*innen online tief in Fragen des Werdens, der Veränderung und Abweichung sowie der Mutation und Transformation von Körper, Identität und Gender abtauchen.

Linh Luu and Marvin Lalihatu sind Animistic Beliefs, ein DJ- und Produzent*innen-Duo für futuristische Clubsounds aus Rotterdam. Zusammen mit New-Media-Künstler Jeisson Drenth werden sie im Rahmen ihrer Residenz an den Ausdruckswelten der audio-visuellen Arbeit „CACHE/SPIRIT“ arbeiten, in der animistische Glaubenssätze und deren jenseitige Klänge mit Drenths einzigartiger visueller Sprache der Techno-Spiritualität verbunden werden.

Mit den Feminist Institutions aus Prag, kommt ein ganzes Netzwerk bei dgtl fmnsm in Residenz. Jeden Tag wird eine andere Institution oder Gruppe in ihrem Beitrag ihre Auffassung darüber thematisieren, was es bedeutet, eine feministische Organisation / Struktur aufzubauen und gleichzeitig der Besessenheit der Kunstwelt von Individualismus und Konkurrenzdenken entgegenzutreten.

Den Abschluss des dgtl fmnsm Online Residenz Programms macht die französische Rapperin, Produzentin, DJ und Kuratorin Moesha 13. Neulich von der SHAPE-Plattform einstimmig zur Künstlerin des Jahres 2020 gewählt, kreieret sie mit ihrem Mix aus französischem Hip-Hop, Hardcore und Reggaetón einzigartige experimentelle Soundlandschaften. Ihre künstlerische Arbeit ist von Aktivismus und Performance, dekolonialen und feministischen Praxen geprägt. Im Rahmen ihrer ersten Residenz wird Moesha 13 eine neue Arbeit präsentieren!

Das Online Residency Programm von dgtl fmnsm wird in Zusammenarbeit mit HELLERAU Europäisches Zentrum der Künste und der SHAPE Plattform durchgeführt. Ermöglicht werden diese durch Kofinanzierungen der Europäischen Union, dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und der Stadt Dresden.

26.06. ­– 02.07. Anna Fries THE HOST

03.07. ­– 09.07. Animistic Beliefs & Jeisson Drenth

10.07. ­– 16.07. Feminist Institutions

17.07. ­– 23.07. Moesha13

November 2019

dgtl fmnsm ist ein Future-Request für ein radikaleres Denken der Selbstverständlichkeit digitaler Technologien in der medienkulturell geprägten Gegenwart. An den kurzweiligen Interventionen bei dgtl fmnsm sind ästhetisch und theoretisch Agierende beteiligt, die signifikant ihren Körper als Ausdrucksmittel im Kontext einer sich entziehenden Gegenwart zwischen digitaler Technologien, Netzkulturen und politischer Notwendigkeit einsetzen.

Digitale Technologien ermöglichen die Durchlässigkeit und Plastizität von Identitäten und katalysieren neue, experimentellere Spielarten von gender, identity & desire. In der Kunst findet die Popularisierung einzelner Aspekte feministischer Belange ihren Ausdruck. Und genau hier treffen auch popkulturelle Ausdrucksweisen und digitale Kulturen aufeinander: in der Verhandlung und Gestaltung einer politischen Ästhetik, in der nicht zuletzt das eigene Erleben das Zentrum bildet und gleichzeitig externe erregbare Spannung nach dem Prinzip „Lust als Basis“ erzeugt werden kann.

Im Sommer 2020 wird das Festival wieder in HELLERAU zu erleben sein. Aber schon vorher gibt es eine spannende Portion dgtl fmnsm – bereits am 23.11.2019 werden im Rahmen eines öffentlichen Labors verschiedene Performances präsentiert, Musik zum Besten gegeben und Raum für Diskurs geschaffen.