Foto: André Wirsig

DIVERS! ko-kreativ

Zukunftslabor Inklusion + Freie Darstellende Künste in Sachsen

10:00 – 21:00 Uhr

In diesem Jahr wird das zehnjährige Jubiläum der deutschen Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention begangen, welche besonders die kulturelle Teilhabe von Menschen mit Behinderung hervorhebt und garantieren soll. Doch das Verständnis von Barrierefreiheit im Theater endet leider oftmals bei der Bereitstellung technischer Hilfsmittel. Diese Auffassung entspricht aber bei weitem nicht der Diversität von Künstler*innen mit Behinderungen und lässt somit ein großes künstlerisches Potential ungenutzt und schließt gleichzeitig ein breites Publikum aus.
Die Servicestelle FREIE SZENE richtet aus diesem Grund zum zweiten Mal DIVERS! Ko-kreativ. Zukunftslabor Inklusion + Freie Darstellende Künste in Sachsen in Kooperation mit Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste und der Servicestelle Inklusion im Kulturbereich aus. In Workshops, Labs und Gesprächen soll es an diesem Tag besonders um künstlerische Zugänge, Ästhetiken und Praktiken, um die Herausforderungen für die selbstbewusste Sichtbarmachung von mehr körperlicher Vielfalt und einer Betonung der Einzigartigkeit gelebter Erfahrungen gehen. Gemeinsam sollen die Teilnehmenden in einem praxisorientierten Austausch der Frage nachgehen: Wie können Tanz und Theater zu einer inklusiven künstlerischen Praxis in ganz Sachsen werden?
Dieser Frage wollen wir uns gemeinsam mit den Teilnehmenden in Workshops und Labs unter den Themenfeldern Rezeptionsräume, Devianz, Gemeinschaften und Authentizität nähern. Ein besonderes Highlight des Tages wird die Performance Shool of Shame des  TANZLABOR LEIPZIGin Kooperation mit POLYMORA Inc. bilden.
Das Zukunftslabor wendet sich an Tanz- und Theatermacher*innen,Performer*innen und Aktivisti*innen mit und ohne Behinderung sowie anMitglieder marginalisierter Gruppen, die künstlerisch tätig sind, sowie anMultiplikator*innen, Veranstalter*innen und Kulturarbeiter*innen, die auf diesem Gebiet tätig sind oder tätig sein wollen, sowie diese künstlerische Praxis unterstützen.

Programm

09:00 Uhr | Foyer
Empfang und Check-In

10:00 Uhr | Großer Saal
Welcome DIVERS!
Begrüßung

10:05 – 10:50 Uhr | Großer Saal
Morning Workout

Warm-Up | Franziska Kusebauch (ArtRose e.V.)
Franziska Kusebauch schloss ihr Tanzpädagogikstudium und ihr Studium in der künstlerischen Meisterklasse mit dem Schwerpunkt Community Dance an der Palucca Hochschule für Tanz Dresden sowie ihr Staatsexamen für Deutsch und Französisch an der Ludwig-Maximilians-Universität München ab. Zusätzlich absolvierte sie eine Ausbildung zur Zirkuspädagogin in Köln. 2012 nahm sie mit dem Esther-Arnold-Seligman-Stipendium an der International Choreographers Residency beim American Dance Festival teil. Derzeit ist sie als freiberufliche Tanzschaffende und Unterrichtende in Dresden und Stockholm tätig, wo sie u.a. generationenübergreifende Projekte leitet, mit der Seniorentanzensemble ArtRose e.V. zusammenarbeitet und das Tanz- und Zirkusfestival YoungMovers künstlerisch leitet. Als Performerin tanzt sie darüber hinaus u.a. für Wagner Moreira. In eigenen Arbeiteten lotet sie die Schnittpunkte zwischen Luftakrobatik, Aerial Dance und zeitgenössischem Tanz aus. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsprojekt InnoLernenTanz der Palucca Hochschule für Tanz Dresden.

11:00 – 13:00 Uhr | Musikzimmer
Workshop I: Rezeptionsräume

Theaterpädagogik | Sandra Rasch (Ramba Zamba Berlin)
Nach einer Theateraufführung reden die Zuschauer*innen in der Regel über das, was sie gesehen haben. Oder kompliziert ausgedrückt: Die Kunst, die in Form von Zeichen auf der Bühne dargestellt wird, wird nach der Vorstellung im Gespräch von den Zuschauenden dekodiert. Was aber passiert mit den Zuschauenden, wenn ein inklusives Ensemble auf der Bühne etwas darstellt? Wird dann unabhängig von den darstellenden Körpern genauso über Kunst gesprochen? Oder dekodiert der Zuschauende in Bezug auf die Beschaffenheit der darstellenden und handelnden Körper das Gesehene auf andere Art?

In diesem Workshop gibt es einen Einblick in die Arbeit der Theaterpädagogik des RambaZamba Theaters gepaart mit praktischen Übungen und theoretischen Ansätzen. Der Workshop behandelt außerdem die Rahmenbedingungen und die innere Haltung der Leitenden als Kern für das Gelingen inklusiver Arbeit.

Sandra Rasch studierte Theaterpädagogik (M.A.) und Theater- und Filmwissenschaft (B.A.). Seit März 2018 leitet sie die Theaterpädagogik am inklusiven RambaZamba Theater. Davor war sie fünf Jahre am Oldenburgischen Staatstheater beschäftigt und hat dort Stückentwicklungen mit inklusiven, diversen Gruppen zu politischen und gesellschaftlich relevanten Themen erarbeitet.

11:00 – 13:00 Uhr | Nancy-Spero-Saal
Workshop II: Gemeinschaften (Teil 1)

Tanz | Bernhard Richarz (Tanzfähig Berlin)
Der Workshop beruht auf einer Ästhetik der Differenz und macht sie im Tanz erfahrbar und sichtbar. Er ist offen für alle, die neugierig sind, mit der Vielfalt in sich und in den Anderen zu tanzen. Auf Körperarbeit und tanztechnischen Elementen aufbauend, wird in der Improvisation die Fähigkeit zum freien Bewegen genutzt, angeregt und entwickelt. Tänzerische Vorerfahrungen oder Behinderungen des Körpers, der Sinne oder anderer Art sind nicht erforderlich, aber durchaus willkommen.

Bernhard Richarz, Dr. med., lebt in Berlin. Als Co-Leiter der Initiative tanzfähig organisiert er Tanz, unterrichtet er Zeitgenössischen Tanz und vor allem Improvisation und ist er als Tänzer an verschiedenen Stücken beteiligt. Da er infolge einer Polio-Erkrankung von klein auf mit einer Behinderung lebt, hat er sich mit Unterricht bei Alito Alessi, Adam Benjamin, Jenny Haack, matanicola, Heini Nukari u.a. seine eigene tänzerische Ausbildung verschafft.

11:00 – 13:00 Uhr | Dalcroze-Saal
Workshop III: Devianz(Teil 1)
Der Workshop ist in englischer Sprache.
Saša Asentić (Choreograf und Performer Berlin) künstlerische Praxis ist geprägt von dem Bewusstsein und dem Interesse, an den spezifischen Beziehungen zwischen Menschen sowie dem spezifischen Kontext, in dem diese Beziehungen entstehen. Für ihn geht es immer um das politische Potenzial der Begegnung zwischen uns als Künstler*innen und als Bürger*innen, nicht um den Austausch von „Produkten“ zwischen Tanzprofis. In seiner choreografischen Arbeit geht es ihm darum, die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft zu erforschen und in Bezug auf soziale Choreografie zu analysieren. In dem Workshop wird Saša Asentić Methoden vorstellen, die er für seine kollaborativen inklusiven Tanzperformances entwickelt hat: DIS_Sylphide, Little Party of Missed Dance und We are not monsters sowie choreografische Materialien, Verfahren und Dokumente, die in verschiedenen künstlerischen Forschungsprojekten im Bereich Performance und Inklusion erstellt wurden.

Saša Asentić wurde in Bosnien geboren. Er arbeitete in Serbien als Performance-Künstler und Kulturschaffender. Seit 2007 wird seine Arbeit deutschlandweit und international präsentiert. Asentić interessiert sich dafür, die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft zu untersuchen und sie im Hinblick auf soziale Choreografie zu analysieren. Er arbeitet im Bereich des zeitgenössischen Tanzes, Performance und Disability Dance.

13:00 – 14:30 Uhr | Seitenbühne Ost
Tafel der Möglichkeiten

Lunch | mit Akteur*innen der inklusiven Arbeit

14:30 – 17:00 Uhr | Musikzimmer
Workshop IV: Authentizität

Organisations- & Kommunikationsstrukturen | Gina Jeske & Anne Rieger (Sophiensæle Berlin)
Gibt es das überhaupt „Barrierefreiheit“? In dem Workshop gehen wir gemeinsam den Fragen nach, welche Barrieren uns auf dem Weg zu einer inklusiven künstlerischen Praxis begegnen und welche Möglichkeiten es gibt, diese nachhaltig abzubauen. Wie lassen sich entsprechende Strukturen schaffen bzw. verändern? Welche Partnerschaften sind sinnvoll? Wie können wir uns für die Bedürfnisse und Wünsche einer diversen Künstler*innenschaft und eines diversen Publikums sensibilisieren? Ausgehend von den Praxiserfahrungen der Sophiensæle in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Vermittlung und Produktionsleitung erarbeiten wir konkrete Strategien, die eine strukturelle Öffnung von Institutionen in der freien Szene voranbringen.

Anne Rieger ist Produktionsleiterin des von TANZPAKT Stadt Land Bund und der Senatsverwaltung für Kultur und Europa geförderten Projekts Making a Difference, das die acht Berliner Institutionen SOPHIENSÆLE, Tanzfabrik Berlin, Uferstudios, tanzfähig, Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin, TanzZeit, Diversity Arts Culture und Zeitgenössischer Tanz Berlin 2018 in Lebens gerufen haben. Die zentrale Leitlinie des Projekts ist die Besetzung künstlerischer und nicht-künstlerischer Leitungs- und Expertenpositionen überwiegend mit Menschen mit Behinderungen, da erst durch die Teilhabe an Entscheidungs- und Gestaltungsmacht wirkliche gesellschaftliche Gleichberechtigung geschaffen wird. Making a Difference will den zeitgenössischen Tanz so um eine Ästhetik der Differenz ergänzen. Das Projekt läuft bis November 2021. Zuvor war Anne Rieger Produktionsleiterin der in London ansässigen Candoco Dance Company. Sie arbeitet außerdem als freie Produktionsleiterin und Dramaturgin mit Choreografin Annie Hanauer und dem Performancekünstler und Musiker Christopher Brett Bailey.

Gina Jeske ist seit August 2018 ist in den Sophiensælen in den Bereichen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Vermittlung tätig. In ihren Aufgabenbereich fallen unter anderem die zielgruppenspezifische Ansprache eines diversen Publikums und die damit verbundene Entwicklung entsprechender interner wie externer Kommunikationswege, der Ausbau eines Kooperationsnetzwerkes sowie die Koordination von Audiodeskriptionen für blinde und sehbehinderte Besucher*innen. Vor ihrer Tätigkeit bei den Sophiensælen war Gina Jeske als Dramaturgie- und Regieassistenz sowie Mitarbeiterin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an verschiedenen kulturellen Institutionen, Stadttheatern und in der freien Szene beschäftigt.

14:30 – 17:00 Uhr | Nancy-Spero-Saal
Workshop II: Gemeinschaften (Teil 2)

Tanz | Bernhard Richarz (Tanzfähig Berlin)
Der Workshop beruht auf einer Ästhetik der Differenz und macht sie im Tanz erfahrbar und sichtbar. Er ist offen für alle, die neugierig sind, mit der Vielfalt in sich und in den Anderen zu tanzen. Auf Körperarbeit und tanztechnischen Elementen aufbauend, wird in der Improvisation die Fähigkeit zum freien Bewegen genutzt, angeregt und entwickelt. Tänzerische Vorerfahrungen oder Behinderungen des Körpers, der Sinne oder anderer Art sind nicht erforderlich, aber durchaus willkommen.

Bernhard Richarz, Dr. med., lebt in Berlin. Als Co-Leiter der Initiative tanzfähig organisiert er Tanz, unterrichtet er Zeitgenössischen Tanz und vor allem Improvisation und ist er als Tänzer an verschiedenen Stücken beteiligt. Da er infolge einer Polio-Erkrankung von klein auf mit einer Behinderung lebt, hat er sich mit Unterricht bei Alito Alessi, Adam Benjamin, Jenny Haack, matanicola, Heini Nukari u.a. seine eigene tänzerische Ausbildung verschafft.

14:30 – 17:00 Uhr | Dalcroze-Saal
Workshop III: Devianz (Teil 2)
Der Workshop ist in englischer Sprache.
Saša Asentićs künstlerische Praxis ist geprägt von dem Bewusstsein und dem Interesse, an den spezifischen Beziehungen zwischen Menschen sowie dem spezifischen Kontext, in dem diese Beziehungen entstehen. Für ihn geht es immer um das politische Potenzial der Begegnung zwischen uns als Künstler*innen und als Bürger*innen, nicht um den Austausch von „Produkten“ zwischen Tanzprofis. In seiner choreografischen Arbeit geht es ihm darum, die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft zu erforschen und in Bezug auf soziale Choreografie zu analysieren. In dem Workshop wird Saša Asentić Methoden vorstellen, die er für seine kollaborativen inklusiven Tanzperformances entwickelt hat: DIS_Sylphide, Little Party of Missed Dance und We are not monsters sowie choreografische Materialien, Verfahren und Dokumente, die in verschiedenen künstlerischen Forschungsprojekten im Bereich Performance und Inklusion erstellt wurden.

Saša Asentić wurde in Bosnien geboren. Er arbeitete in Serbien als Performance-Künstler und Kulturschaffender. Seit 2007 wird seine Arbeit deutschlandweit und international präsentiert. Asentić interessiert sich dafür, die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft zu untersuchen und sie im Hinblick auf soziale Choreografie zu analysieren. Er arbeitet im Bereich des zeitgenössischen Tanzes, Performance und Disability Dance.

17:00 – 18:30 Uhr | Nancy-Spero-Saal
Präsentation: Diskurs
Präsentation | Wagner Moreira (Tänzer und Choreograph)
Diskussion | Jaqueline Hamann & Silke Stuck (Farbwerk e.V.)

18:30 – 19:00 Uhr | Großer Saal
Einführung & Inklusive Tastführung SCHOOL OF SHAME

Stückeinführung | Matthias Huber (Tanzlabor Leipzig)
Vor der Aufführung von SCHOOL OF SHAME bietet Matthias Huber vom Tanzlabor Leipzig eine Einführung in das Stück für Menschen mit und ohne Sehbehinderung. Im Anschluss wird eine Tastführung angeboten.

Performance | TANZLABOR LEIPZIG in Kooperation mit POLYMORA Inc. (Leipzig)
Wofür wir uns schämen? Für unsere Körper, unser Begehren, unsere Fehler, unsere Egos und Erfolge. Doch vor wem schämen wir uns eigentlich? Scham kommt selten allein, Scham braucht Publikum – und sie zu überwinden auch. In einer virtuos skurrilen Musicalperformance zwischen Castingshow und Klassenzimmer blicken die fünf Performer*innen von POLYMORA Inc. ihren blinden Flecken ins Gesicht, be/schämen sich öffentlich und zerlegen dabei gesellschaftliche Systeme von Scham und Beschämung.
Als intersektionales Kollektiv mit einem Fokus auf Queerness und einer mixed-abled Arbeitsweise will POLYMORA Inc. seine künstlerische und politische Arbeit für möglichst diverse Menschen zugänglich machen. Drei der fünf Künstler*innen arbeiten zum dritten Mal in Kooperation mit dem Tanzlabor Leipzig.
SCHOOL OF SHAME! ist die erste gemeinsame Produktion. Mit zeitgenössischem Tanz und Musicalelementen werden Scham und Beschämung neu verhandelt und durch Gebärdensprache und Audiodeskription barrierearm inszeniert.

Choreografie und Performance | Jana Zöll, Jutta Tille, Aisha Konaté, Miriam Welk, Alexandra Schwartz
Dramaturgie und Musik | Stephanie Krah
Bühnenbild | Jul Zureck, Ginger Carta
Audiodeskription | Matthias Huber
Gebärdensprache | Kristin Lehmann

Eine Produktion von Tanzlabor Leipzig in Kooperation mit POLYMORA Inc. und LOFFT – DAS THEATER. Gefördert von der Landesdirektion Sachsen, Stadt Leipzig, Kulturamt, Sozialamt der Stadt Leipzig. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts

20:00 – 21:00 Uhr | Dalcroze-Saal
Chill-out DIVERS!
Musik & Schnittchen

Verbindliche Anmeldung an Maike Lachenicht: lachenicht@soziokultur-sachsen.de

DIVERS! Ko-kreativ. Zukunftslabor Inklusion + Freie Darstellende Künste in Sachsen ist eine Kooperation der Servicestelle FREIE SZENE mit HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste und der Servicestelle Inklusion im Kulturbereich.

Die Veranstaltung wird gefördert im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.

Archiv
Mi 18.12.2019 Mi 18.12.
2019
10:00
gesamtes Haus
Eintritt frei

DIVERS! ko-kreativ

Zukunftslabor Inklusion + Freie Darstellende Künste in Sachsen

10:00 – 21:00 Uhr
10:00
gesamtes Haus
Eintritt frei
Archiv