Alle Augen Staunen

Lea Moro

Karussell Tanz Familie

Der Ozean hat Fieber! Die Erde bebt vor Wut! Die Luft erstickt!

„Alle Augen Staunen“ etabliert einen choreografischen Zugang zu Klima(-Wandel), Ökologie und nicht-menschlichen Lebensfor- men, der jene als beständige Prozesse von Transformation und Zirkulation, Werden und Vergehen, verhandelt. So entstehen vieldeutige Welten, die Staunen als Modus von Weltwahrnehmung verstehen. Zwischen Abstraktion und Figuration entfaltet sich der Theaterraum zu einem eigenständigen Ökosystem, dessen Grenzen über den Bühnenrand hinaus gehen und auf ihn zurückwirken. Vermittlung und Zusammensein sind elementare Bestandteile des Stücks, die alle erwachsenen und kindlichen Zuschauer:innen herausfordern, sich selbst als Teil eines zirkulierenden Systems zu erfahren und der eigenen Wahrnehmung, Phantasie und Fähigkeit zur Verwandlung zu vertrauen.

Auf der Bühne atmet, pulsiert, wuchert und vibriert es. Vor unseren Augen entsteht eine sich stetig wandelnde Landschaft, in der das Bühnenlicht den Boden zu Eisschollen werden lässt, sich der Sound in einer stillen Unterwasserwelt verfängt und die von der Decke hängenden Textilien im Wind der Bewegung schweben. Nach und nach häutet sich die Landschaft und drei Wesen werden sichtbar. Sie beginnen, die wundersam poröse Umgebung zu entdecken, sich in ihr zu bewegen, sie zu hinterfragen und stellen dabei fest, dass sie nicht alleine sind.

„Alle Augen Staunen“ beschäftigt sich mit Umweltphänomenen wie z.B. Wettererscheinungen oder Erdrutschen, dem Zusammenspiel von Lebewesen und Natur und stellt sich die Frage nach gegenseitiger Verantwortung und Relevanz. Die Elemente des Theaterraums – Bewegung, Sound, Bühne und Licht – werden zu gleichberechtigten Akteur:innen eines größeren Ökosystems. Darin treten musikalische Klangschichten als Klimazonen auf, sind Farben und Formen verschiedenen Atmosphären und Temperaturschwankungen ausgesetzt und entfalten sich Bewegung und Choreografie als organische, zelluläre und amorphe Transformationen. Alle Augen Staunen lädt dazu ein, Ökosysteme in der Luft, an Land und unter Wasser mit allen Sinnen zu entdecken.

Was sehen wir, wenn wir unseren Augen (nicht) trauen? Und wovor lassen sich die Augen nicht verschließen? Wenn wir uns selbst als Teil eines größeren Organismus begreifen und anerkennen, dass Objekten wie Lebewesen ein Eigenleben inne wohnt, stellt sich auch die Frage: wer blickt auf wen zurück? Als Tanzstück für junges und erwachsenes Publikum versteht „Alle Augen Staunen“ den Theaterraum als Möglichkeit der Begegnung und des gegenseitigen Involviert-Seins. Wenn sich die Bühnenwelt auf einmal vom feurigen Rot ins kalte Blau färbt, kommt es vor, dass die eigene Phantasie eine kühle Brise erschafft, die sinnlich wahrnehmbar durch den Raum weht. Die textile und organische Landschaft, die wir in manchen Momenten beinahe atmen hören können, lässt alle Anwesenden und Beteiligten – Zuschauer:innen, Performer:innen, Techniker:innen, bewegte und unbewegte Objekte – gleichermaßen lebendig werden, beisammen und mitunter sogar mittendrin sein.

Die in Zürich und Berlin lebende Schweizer Choreografin, Dozentin und Kulturmanagerin Lea Moro entwickelt innovative Performances, die sich mit den körperlichen, sozialen und emotionalen Schichten menschlicher Verbindungen und Begegnungen auseinandersetzen. Seit 2013 sind ihre Arbeiten international zu sehen, aktuell All Our Eyes Believe für junges Publikum (8+). Neben ihrer Arbeit als Choreografin mitgründete Moro das Acker’Festival in Berlin (2013/14), absolvierte 2018/19 eine Ausbildung in „Systemischer Organisationsberatung“ bei artop, Institut an der Humboldt-Universität Berlin und nahm 2019/20 an dem einjährigen Programm „Kuratieren in den szenischen Künsten” an der Paris Lodron Universität Salzburg und der Ludwig-Maximilians-Universität München teil. Sie hat am DOCH – School of Dance and Circus in Stockholm, der University of the Arts in Helsinki, am HZT Berlin und der Manufacture Lausanne gelehrt. Seit 2020 arbeitet sie als Produktionsdramaturgin am Tanzhaus Zürich.

www.leamoro.com

Sprache: Deutsch

Dauer: ca. 70 Min.

für alle ab 8 Jahre

Konzept, Choreografie: Lea Moro
Co-Choreografie, Tanz: Daniella Eriksson, Jorge De Hoyos, Michelle Moura, Julia Turbahn (Vertretung)
Sounddesign: Andres Bucci aka Future Legend
Kostüm- und Bühnenbild: Martin Bergström, Nina Krainer
Lichtdesign: Martin Beeretz
Dramaturgie: Mona De Weerdt
Künstlerische Mitarbeit Choreografie: Kiana Rezvani
Outside Eye: Leonie Graf
Outside Ear: Jana Sotzko
Dramaturgische Produktionsbegleitung (Tanzhaus Zürich): Marc Streit
Vermittlung: Lea Moro, Mona De Weerdt, Leonie Graf
Illustration, Grafik: Rommy González
Social Media Design (Instagram): Nima Dehghani
Produktion, Touring: Hélène Philippot

„Alle Augen Staunen“ ist eine Produktion von Lea Moro in Koproduktion mit Tanz im August / HAU Hebbel am Ufer, Tanzhaus Zürich. Produziert im Rahmen des Veranstalterfonds Reso und von Residance, ein Projekt von Reso – Tanznetzwerk Schweiz. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds, Stadt Zürich Kultur, Fachstelle Kultur – Kanton Zürich, Pro Helvetia – Schweizer Kulturstiftung, Fondation Nestlé pour l’Art, Kulturfonds der Société Suisse des Auteurs (SSA), Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Zürich (GGKZ), Stanley Thomas Johnson Stiftung. Die Gastspiele in der Schweiz 2020/2021 werden unterstützt durch die Corymbo Stiftung und Migros Kulturprozent. Das Vermittlungsformat wird unterstützt durch Oertli Stiftung und Faber Castell.

*Buchbar über das Besucherzentrum. 

Familienticket
Zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder.

Doppelpack
Beim Kauf eines Tickets für eine Veranstaltung im Rahmen von Watch Out! in HELLERAU kann ein weiteres Ticket zum halben Preis erworben werden.