Abschluss 31. Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik

mit Esmeralda Conde Ruiz u.a.

Musik DTzM 2022/23

24/7: Ein immersives Environment

24/7 ist ein ortsspezifisches audiovisuelles Kunstwerk, das Esmeralda Conde Ruiz für die 31. Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik (DTZM) im Festspielhaus Hellerau entwickelt und welches vom Schaufler Lab@TU Dresden unterstützt wird.

Die installative Arbeit reflektiert Themen wie digitale Infrastrukturen, die ökologischen Auswirkungen der Serverfarm-Industrie und die Beziehung zwischen Mensch und Technologie, insbesondere die erheblichen Umweltauswirkungen von Künstlicher Intelligenz. 24/7 ist ein klanglicher Spiegel einer Welt, die sich in einem radikalen technischen Wandel befindet.

Durch die Nutzung des Orchestergrabens als Ausstellungsraum im Festspielhaus Hellerau schafft 24/7 ein atmosphärisches und immersives Environment, in welchem das Volumen von Daten und Technologie in unserer heutigen Welt visualisiert und physisch erfahrbar gemacht wird. Der Orchestergraben wird nur selten für Produktionen genutzt und bleibt den Besucher:innen in der Regel verborgen. Durch die Öffnung dieses sich im Souterrain befindlichen Teil des Gebäudes entsteht ein subtiles Gefühl von Geheimhaltung und reglementierter Zugriffskontrolle, welche die Sicherheitsmaßnahmen in den High-Tech Zentren widerspiegeln, in denen all unsere digitalen Daten gesammelt und verwahrt werden: Gebäude, die keinesfalls öffentlich zugänglich sind und dennoch intime und persönliche Informationen enthalten. Das immersive Environment 24/7 kreiert einen akustischen und klanglichen Begegnungsraum von menschlichen Sänger:innen und lokalen Dresdner Chören mit Maschinengeräuschen elektronischer Hardware und Aufnahmen aus den Serverzentren der TU Dresden. Diese Aufnahmen entstanden während der Dresdner Residenz der Künstlerin im Sommer 2022.

Neben den klanglichen Sensationen erfahren die Besucher:innen der Installation eine visuelle Überwältigung durch Lichtsensationen, wenn sie sich durch apokalyptische Lichtspektren zwischen Reinraum und Inferno bewegen. Die Lichtinstallation verbindet sich dabei mit den kakophonischen Klängen menschlicher Stimmen und elektronischer Geräusche, die durch Daten und die Technologien, die wir alle täglich nutzen, synchronisiert sind. 

„24/7“ möchte die unsichtbare und kaum greifbare Welt unserer digitalen Daten und von Zukunftstechnologien im wahrsten Sinne des Wortes ,,ans Licht bringen” und dabei die Rolle und den Einfluss des Menschen in dieser sich rasch ausbreitenden Welt kenntlich machen. 

An diesem Abend findet das Closing der Installation „24/7“ der audiovisuellen Künstlerin Esmeralda Conde Ruiz statt, die damit auch die „31. Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik“ beschließt.

Von April bis Oktober 2022 sowie von März bis Mai 2023 ist die Komponistin, Dirigentin und Künstlerin Esmeralda Conde Ruiz (*1980/ Spanien, lebt in London) zu Gast im Schaufler Lab@TU Dresden. Hier arbeitet sie – gemeinsam mit den Stipendiatinnen und Stipendiaten des Schauf ler Kol leg@TU Dresden, Wissenschaf t ler innen und Wissenschaftlern der TU Dresden (TUD) sowie weiteren Partnerinnen, wie etwa der Hochschule für Bildende Künste Dresden, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste und der Dresdner Philharmonie – gemeinsam an einem künstlerischen Forschungsprojekt zum Thema „Künstliche Intelligenz als Faktor und Folge gesellschaftlichen und kulturellen Wandels“.

Während ihres Aufenthalts an der TUD vertieft sie ihre Forschungen auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI) und des mehrstimmigen Gesangs mit Hilfe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Fachbereichen Musikwissenschaften sowie Akustik und Sprachtechnologie. In den Akustikräumen des Instituts für Akustik und Sprachtechnologie etwa untersucht Conde Ruiz spezifische Klänge, insbesondere Maschinengeräusche, die sie in den Serverräumen der TUD aufgenommen hat. Der Klang von Serverfarmen bildet einen zentralen Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Forschung zu KI, da diese die technische Infrastruktur für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz darstellen. Ausgehend von ihren Erfahrungen als Komponistin und Dirigentin spürt sie in ihrem Projekt unter anderem folgenden Fragestellungen nach:

“Können wir beim Komponieren Künstliche Intelligenz nicht nur – wie oftmals üblich – als Werkzeug, sondern vielmehr als Instrument einsetzen? Wie kann ein Mensch in diesem Falle auf die KI einwirken? Kann KI eine eigene Stimme und damit einen individuellen Klang finden bzw. entwickeln?”

Erste Einblicke in Esmeralda Conde Ruiz´ Auseinandersetzung mit dem Sound von KI bieten verschiedene öffentliche Veranstaltungsformate ab Sommer 2022: Bei der Konferenz „Digital ist besser?! – Camp für Digitale Kultur“ im Komplexlabor Digitale Kultur der Hochschule Merseburg war sie mit einer experimentellen Performance präsent: den „Larynx Nights“. Am 29. September 2022 – zum Abschluss ihrer Residenz – präsentiert sie im Rahmen eines Symposiums in der SLUB – Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern, darunter Prof. Carsten Nicolai, Hochschule für Bildende Künste Dresden, Prof. Orit Halpern, Professur für Digital Cultures, Jun.-Prof. Dr. Miriam Akkermann, Juniorprofessur für Empirische Musikwissenschaft, Carsten Tiede, Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen, Abt. Operative Prozesse und Systeme (OPS), alle TU Dresden, den Stand ihrer künstlerischen Forschung.