Peter R. Fiebig
03.02.2021

To See Climate (Change), #1 – 2021

Romuald Krężel und René Alejandro Huari Mateus berichten über ihre Artist-in-Garden-Residency in HELLERAU

To See Climate (Change) ist ein künstlerisches Forschungsprojekt, das wir Anfang 2020 in der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart initiiert, im Juni 2020 im LAB Frankfurt und von August bis September 2020 in der Artist-in-Garden Residency in HELLERAU entwickelt haben. Ausgehend von Fragen zur ökologischen Nachhaltigkeit und der Umweltzerstörung haben wir nach verschiedenen performativen und choreografischen Strategien gesucht, die es uns ermöglichen, das Unsichtbare – das Klima – und seine Veränderungen spekulativ sichtbar zu machen. Wir haben versucht, eine Landschaft von Bildern, Affekten und choreografischen Sequenzen aufzubauen, die alle auf dem möglichen Austausch zwischen Menschen und „Nicht-Menschen“ basieren.

Liste der Resident:innen/Teilnehmer:innen/Materialien/Entitäten, die an derResidenz beteiligt sind:

Haus
Ein Gewächshaus (6,5 m2). Zusammenbau von Polycarbonatplatten mit Aluminiumstangen. Platziert auf einem Aluminiumrahmen mit 4 Rädern, sodass es sich frei im Aufführungsraum bewegen lässt.

  • 16 Aluminiumstangen
  • 25 Polycarbonat-Platten
  • 112 Schrauben
  • 132 Muttern

Pflanzen
26 Topfpflanzen, gekauft in den Pflanzenläden in Stuttgart und Dresden. Während unseres Aufenthaltes lebten die Pflanzen in einem Raum mit ausreichendem Zugang zum Sonnenlicht. Für die Zeit der Proben wurden sie im Gewächshaus im Nancy-Spero-Saal aufgestellt. Obwohl die entfernten Vorfahren der Topfpflanzen ursprünglich aus Orten nahe der Äquatorlinie stammten, wurden die Pflanzen aus unserem Projekt meist in riesigen Gewächshäusern für Reproduktionszwecke in den Niederlanden und Deutschland geboren.

  • 1 Yucca
  • 1 Kroton
  • 1 Dieffenbachia-Reflector
  • 2 Fittonias, auch als Nervenpflanzen bekannt (rot und grün)
  • 1 Alocasia California, besser bekannt als Elefantenohr (mit vielen ausgebreiteten Blättern, die in alle Richtungen wachsen, so dass das Bewegen dieser Pflanze eine echte Virtuosität erfordert)
  • 3 Dracaenas (Dracaena Fragrans und 2 Dracaenas Marginatas)
  • 1 Homalomena Rubescens,genannt Maggy
  • 1 Farn (verwelkt)
  • 3 Kalatheen (Orbifolia, Zebrina und Triostar)
  • 1 Kentia-Palme
  • 1 Areca-Palme
  • 1 Dieffenbachia Sommer (verwelkt)
  • 1 Carex oshimensis „Everest“
  • 2 Spathiphyllum Laurettas (mit zwei weißen Blüten, die Sie als Betrachter:in anschauen)
  • 1 Schefflera arboricola, auch als Zwergschirmbaum bekannt
  • 3 Ficusse (1 Exotica und 2 Anastasias)
  • 1 Guzmania Optima (ein Ersatz für Guzmania Diana, die aufgehört hat zu blühen und dies erst in etwa drei Jahren wieder tun wird)
  • 1 Epipremnum aureum, auch bekannt als Marmorkönigin

Menschen
2 Künstler:innen unterstützt von Rosa Müller – Residenzprogramm HELLERAU.

  • Romuald
  • René Alejandro

Lebende/tote Materie

  • 45 kg Erde
  • 1,5 Liter Düngemittel (Vermicompost)
  • 2 mobile Plattformen aus Holz auf Rädern, hergestellt aus Holzspänen und Kunstharz
  • Dutzende von Litern abgekochtes Wasser, das immer 3 Tage stehen muss bis es für die Bewässerung genutzt werden kann, damit ein Teil des im Leitungswasser enthaltenen Chlorids verdampft ist
  • 18 bewegliche Kartons
  • 4 Bücher

“Hyperobjects: Philosophy and Ecology after the End of the World” by Timothy Morton;
“Staying with the Trouble: Making Kin in the Chthulucene” by Donna J. Haraway;
“The End of Ice: Bearing Witness and Finding Meaning in the Path of Climate Disruption” by Dahr Jamail;
“The Ends of the World” by Déborah Danowski and Eduardo Viveiros de Castro

Sachen

  • 4 Kunststoffboxen
  • 4 Leuchtstoffröhren-Leuchtstofflampen im Inneren des Gewächshauses
  • 2 große Warmlichtlampen im Inneren des Gewächshauses
  • 1 Wachstumslichtlampe für Pflanzen
  • 2 Laptops

Unerwartete Besucher:innen
Wollläuse. Erst durch Zufall auf den Blättern der Marble Queen entdeckt. Sie befallen 12 weitere Pflanzen. Der Kampf gegen sie dauerte etwa 3 Monate, einschließlich des Monats in Dresden. Der Kampf bestand darin, die Blätter regelmäßig zu waschen, mit Bioprodukten zu besprühen und schließlich starke Chemikalien einzusetzen. Die Wanzen verschwanden am Ende unseres Aufenthaltes. Trauermücken. Diese kleinen Kriebelmücken wurden unbeabsichtigt nach HELLERAU transportiert. Ihre Eier lebten in der feuchten Erde der Pflanzen. Da die Fliegenpopulation exponentiell zunahm, mussten einige Pflanzen isoliert werden. Wir bekämpften sie mit Hilfe von schmetterlingsförmigen gelben Aufklebern, auf denen sich die Fliegen bis zu ihrem Tod verfingen sowie durch Händeklatschen, wenn die Fliegen zwischen den Pflanzen hin und her flogen, und indem wir etwas Sand, den wir im Kulturgarten fanden, in die Töpfe fügten.