Das Theaterprojekt „Black Box“ basiert auf einem Stück des belarusischen Dramatikers Pavel Pryazhko und erforscht die komplexe Verflechtung von Vergangenheit und Gegenwart in den Ländern des ehemaligen Ostblocks. „Black Box“ thematisiert Nostalgie, die Sehnsucht nach einer von Verantwortung freien Kindheit sowie die beunruhigende Wiederholung von Verhaltensmustern, die von einem Erbe der Gewalt und Unterdrückung geprägt sind.
Die Figuren des Stücks existieren auf zwei Zeitebenen: 1986 und 2016. 1986 ist das zweite Jahr der Perestroika, 2016 befindet sich der belarusische Präsident Lukaschenka in seiner fünften Amtszeit. Im Jahr 1986 sind Alexey, Marina, Sergey und Valery zwölfjährige Schüler*innen. Im Jahr 2016 sind sie zweiundvierzig Jahre alt und scheinen in ihr ehemaliges Internat zurückversetzt worden zu sein, wo alles – außer ihnen selbst – vermeintlich in der Zeit stehen geblieben ist.
Die Produktion untersucht die Überschneidung zweier Realitäten: der gefilmten Vergangenheit und der unmittelbaren, gelebten Gegenwart. Analoge Videoformate erforschen auf der Bühne, wie Bildmaterial die Wahrnehmung der Realität beeinflusst.
Der Musiker und Komponist Dmitrii Vlasik, der für seine Arbeit mit experimentellen Klängen und elektronischen Texturen bekannt ist, entwickelt für „Black Box“ eine Komposition. Die Performance entsteht in Zusammenarbeit mit Künstler*innen des L.O.F.T. Theaters in Budva, Montenegro.
Biografie
aliveduo ist eine kreative Partner*innenschaft zwischen Alena Starostina und Ivan Nikolaev, die 2022 aus Russland nach Dresden emigrierten, wo sie zu den führenden Vertreter*innen des zeitgenössischen Theaters gehörten. In Deutschland setzen sie ihre Praxis im Bereich der zeitbasierten Medien fort. In ihren Projekten – ob Theater oder Film – arbeiten sie mit analogem Material, das sie wegen seines taktilen, physischen Abdrucks der Zeit schätzen. Der neueste Film der Künstler*innen, „Trace of a Silent Tear“, wurde für das Laterale Film Festival (Italien), RPM Fest (USA), BISFF (China) und AIDFF (Athen) ausgewählt.
Förderung
Eine Koproduktion von HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste. Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes. Die Recherche für die Produktion wurde gefördert vom Fond Darstellende Künste aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.









