2026, im 150. Jubiläumsjahr der Bayreuther Festspiele, widmet sich HELLERAU nicht nur Richard Wagners bahnbrechenden Ideen des unsichtbaren Orchesters und immersiven Theaters und seinem einzigartigen Einfluss auf die Entwicklung der Film- und Theaterkunst, sondern auch den Schattenseiten, die mit Wagner verbunden sind.
Schon 1843 hatte Wagner für die Uraufführung von „Der fliegende Holländer“ an Sempers Königlichem Hoftheater in Dresden mit einem Orchestergraben experimentiert, doch erst im 1876 eröffneten Festspielhaus Bayreuth konnte er ihn so gestalten lassen, dass das Orchester – und durch den abgedunkelten Zuschauerraum auch „das Theater“ – für das Publikum unsichtbar blieb. Die Vision des unsichtbaren Orchesters und Theaters fand im 20. Jahrhundert entscheidende Fortsetzungen in der Entwicklung des Kinos, aber auch in den revolutionären Konzeptionen von Adolphe Appia, einem der prägendsten Theoretiker und Praktiker des modernen Theaters. Seine ab 1891 entwickelten Pläne für ein „Neues Bayreuth“ stießen dort zunächst auf Ablehnung. Erst mit seinem legendären Bühnenraumkonzept im 1911 eröffneten Festspielhaus in Hellerau oder seiner Inszenierung von „Tristan und Isolde“ mit Arturo Toscanini an der Mailänder Scala 1923 konnte er sie umsetzen.
„O-Ton Wagner“ präsentiert künstlerische Projekte, die mit sehr unterschiedlichen Perspektiven, aber auch ebenso prägenden Handschriften das künstlerische, kulturgeschichtliche und politische Erbe von Richard Wagner beleuchten und befragen. Achim Freyer entwirft eine faszinierende Konzeption des „Ring-Zyklus“ als abstraktes, immersives Projekt für raumgreifende Bildflächen und spatialisierte Orchesteraufnahmen. Sergej Eisenstein wird mit einer besonderen Film-Musik-Fassung seines Stummfilmklassikers „Panzerkreuzer Potemkin“ (1925) vorgestellt, die als gemeinsames Projekt von den Pet Shop Boys und den Dresdner Sinfonikern 2006 in den Hochhäusern der Prager Straße Premiere feierte. „Einstein on the Beach“, von Robert Wilson und Philip Glass 1976 und damit 100 Jahre nach der Eröffnung des Bayreuther Festspielhauses als ebenso revolutionäres Musiktheaterkonzept entwickelt, ist als konzertante Fassung im Großen Saal des Festspielhauses Hellerau zu erleben. Das Konzertprojekt „Mendele Lohengrin“ des Jewish Chamber Orchestra Munich stellt schließlich kritisch, aber auch unterhaltsam, die Frage nach der Faszination von Wagners Musik.




