
Taiwan Moves: CHEN Pin-Ni
19 October – 2 November 2026
CHEN Pin-Ni beschäftigt sich mit den Grenzen und Übergängen innerhalb der Street-Dance-Kultur. Nach vielen Jahren in derselben Stadt beobachtet sie, wie sich das Verhältnis zwischen Menschen und Tanz zwischen Einschränkung und Offenheit bewegt und wie Grenzen zwischen Tanzstilen, Geschlechtern und Orten entstehen, verschoben und neu verhandelt werden.
In der Street-Dance-Szene im Süden Taiwans begegnet ihr immer wieder die Vorstellung von „Tanzreinheit“ – die Idee, dass ein Tanzstil eine bestimmte Essenz bewahren und der Körper nicht zu stark mit anderen Formen vermischt werden sollte. Gleichzeitig erlebt CHEN Pin-Ni sich selbst als hybriden Körper: Durch ihre unterschiedlichen tänzerischen Erfahrungen wird ihr Tanz von taiwanischen Tänzer*innen teilweise als „europäisch“ bezeichnet und damit einem Ort zugeordnet, an dem sie nie gelebt hat.
Die Reise nach Dresden versteht sie als Möglichkeit, diesen Fragen über konkrete Begegnungen mit Tänzer:innen verschiedener Städte und Hintergründe nachzugehen. Wie wird ein Körper wahrgenommen, der mehrere Tanzsprachen in sich trägt? Wie können Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen in einem gemeinsamen Raum zusammenkommen, sich gegenseitig sehen, beeinflussen und voneinander lernen, ohne sofort kategorisiert zu werden?
Im Zentrum steht dabei der Körper als Träger von Erfahrungen. Frühere tänzerische Prägungen verschwinden nicht, sondern tauchen in neuen Bewegungen und Formen wieder auf. CHEN Pin-Ni fragt, ob tänzerische Hybridität in einem anderen kulturellen Kontext nicht als Abweichung oder Kategorie, sondern als Möglichkeit verstanden werden kann.
Biografie

Chen Pin-Ni (*1998, Chiayi, Taiwan) ist Tänzerin und Choreografin. Seit 2015 ist sie in der Street-Dance-Szene aktiv, geprägt von Hip-Hop und Locking sowie einer stark musikalischen Improvisationspraxis. Seit 2020 verbindet sie Street Dance mit zeitgenössischem Tanz und arbeitet mit verschiedenen Choreograf:innen. In ihrer choreografischen Praxis erforscht sie den Körper aus weiblicher Perspektive und hinterfragt Vorstellungen von Stärke, Geschlecht und Zugehörigkeit. Dabei untersucht sie das Konzept der „soft strength“ und wie sich Körper innerhalb bestehender Strukturen bewegen, anpassen und behaupten.
Förderung
Die Residenz findet im Rahmen von Taiwan Moves statt.
„Taiwan Moves“ wird präsentiert in Kooperation mit ESMC sowie mit freundlicher Unterstützung durch die TSMC Education & Culture Foundation und das Kulturministerium, Taiwan.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes. Mit freundlicher Unterstützung von „So geht sächsisch.“






