Mit der politischen Farce „Ein Volksbürger“ haben Nico and the Navigators ein Stück inszeniert, das auf den Recherchen des Verfassungsblog-Teams um Maximilian Steinbeis basiert. Die Uraufführung mit Fabian Hinrichs in der Hauptrolle fand 2024 im Haus der Bundespressekonferenz statt und wurde 2025 für das Theatertreffen und den Friedrich-Luft-Preis nominiert. 

Das Stück zeigt den rasanten Aufstieg eines populistischen Ministerpräsidenten in einem deutschen Freistaat und die daraus resultierende Bedrohung für die Demokratie. In einer Folge von Pressekonferenzen erzählt „Ein Volksbürger“ die Karriere eines politischen Shooting-Stars. Das eigenmächtige Handeln dieses Politikers fordert die Bundesregierung heraus und erzwingt schließlich einen Showdown. Am Ende bleibt nur der Artikel 37 des Grundgesetzes, der als „Bundeszwang“ drastische Maßnahmen vorsieht und der bislang noch nie zur Anwendung kam. Im brisanten Wahljahr 2026 mit bevorstehenden Landtagswahlen in mehreren Bundesländern steht ein „Ein Volksbürger“  für weit mehr als nur eine theatrale Versuchsanordnung. Das Stück zeigt beispielhaft, wie ein charismatischer Verführer versucht, das politische System mit Charme, Populismus und Intelligenz auszuhebeln.

Pressestimmen

  • „Was wäre, wenn Rechtspopulisten diffus modern und glatt auftreten würden? Wenn die Machter­greifung friedlich verliefe – über Verwaltungsakte? „Ein Volksbürger“ im Haus der Bundespresse­konferenz ist ein lehrreiches Gedanken­experiment.” (Peter Laudenbach, Süddeutsche Zeitung)
  • … einer der interessanteren Theaterbeiträge zur aktuellen politischen Lage… Die Stärke des Stücks liegt gerade darin, dass es nicht auf bekannte Sprachbilder über den Aufstieg des Faschismus zurückgreift, sondern genau hinschaut, was Populisten an der Macht tatsächlich tun. (Philip Oltermann, The Guardian)
  • „Selten waren Bühnenspektakel und Politik so dicht beieinander […] Deutlich wurde in dem vom Verfassungsjuristen Maximilian Steinbeis konzipierten und von Regisseurin Nicola Hümpel inszenierten Planspiel im Format von Pressekonferenzen auch, wie hilf- und planlos Demokratieschützer wirken können, wenn die Gegenseite clever agiert […] „Ein Volksbürger“ rückt das Berlin des Jahres 1932 und das Erfurt des Jahres 2024 in gespenstische Nähe.” (Tom Mustroph, taz)

Biografie

Nico and the Navigators wurden 1998 von Nicola Hümpel und Oliver Proske am Bauhaus Dessau gegründet und feiern in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Nach einer Zeit an den Berliner Sophiensælen sind sie seit der Eröffnung des Radialsystems 2006 hier kontinuierlich vertreten. Ihre bildstarke Handschrift sorgte schon früh für internationales Aufsehen. Mit Projekten zu Schubert, Händel, Bach, Rossini, Mahler und zeitgenössischer Musik gehören sie zu einem der wichtigsten Musiktheater-Ensembles Europas. Die Produktionen waren mit über 360 Gastspielen weltweit auf Tour und gastieren an renommierten Opernhäusern, Theatern sowie auf Festivals. 2011 wurden Nico and the Navigators mit dem „George-Tabori-Preis“ ausgezeichnet, 2016 erhielt Nicola Hümpel den „Konrad-Wolf-Preis“ der Akademie der Künste. Seit 2019 arbeitet die Kompanie u.a. mit der Technologie der Augmented Reality. 2021 war ihr von ARTE und EuroArts produzierter Beethovenfilm „Force & Freedom“ für den „Opus Klassik“ nominiert.

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