Stanisław Bulder (Polen) 

Als Kind versteht man nicht immer die Bedeutung von Ritualen: Glocken läuten, knien, Gong schlagen, Hände waschen. Der Messdienst ist sowohl Heiligkeit als auch Spiel, eine Bühne der Disziplin, auf der Ministranten zwischen Priester und Gemeinde stehen. Während seiner Residenz betrachtet Stanisław Bulder die Messe nicht aus theologischer, sondern aus choreografischer Sicht – als einen kodifizierten Tanz, der Verhalten, Identität und Ordnung prägt. Das Projekt gründet auf seiner Kindheit in einer streng katholischen Familie im post-sozialistischen Polen, in dem die Kirche in den 1990er Jahren das Machtvakuum füllte. Nachdem er sich von dieser Ideologie gelöst hat, kehrt er zu diesem körperlichen Archiv zurück. Heute findet Stanisław Bulder Bedeutung in der Rave-Kultur – ekstatisch, gemeinschaftlich, horizontal. Durch Spiel, Reenactment und verkörperte Recherche sucht er nach einer Archäologie der Gesten und untersucht, wie Körper Spuren sowohl von Ordnung als auch von Befreiung tragen.

Biografie

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Foto: Zuza Czaplak

Stanisław Bulder ist Performer, Tänzer und Choreograf und lebt in Warschau. Er hat einen Bachelor-Abschluss in Zeitgenössischem Tanz am Opus Ballet in Florenz und einen Bachelor-Abschluss am Fachbereich Theaterwissenschaft der Aleksander-Zelwerowicz-Theaterakademie in Warschau. Vor kurzem schloss er sein Masterstudium mit Auszeichnung an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau im interdisziplinären Studiengang Künstlerische Forschung ab. In seinen Arbeiten nutzt er Bewegung (und deren Abwesenheit) als Mittel, um dominante Narrative von Macht und Ausgrenzung zu hinterfragen. Er engagiert sich für die Rechte von „Nutz”tieren und strebt danach, emanzipatorische künstlerische Werke zu schaffen, die die Interessen von Tieren fördern.

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Förderung

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