Bis 3. Mai 2026 können Fotograf*innen über die PORTRAITS Webseite ihre Werkserien für den 11. PORTRAITS HELLERAU Photography Award zum Thema „ESCAPISM“ einreichen. Die Jury verleiht Preise im Gesamtwert von 8.000 EUR. Die Teilnahmegebühr beträgt 50 EUR für Serien und 30 EUR für Einzelbilder (50% Studierendenrabatt bis zum 29. März). Der Begriff des Portraits ist bei den PORTRAITS Awards traditionell sehr weit gespannt: Er reicht von Gruppenfotografien, künstlerischen Experimenten, die sich mit dem Bild des Menschen beschäftigen, über starke dokumentarische Serien bis hin zur Aktfotografie…Die Preisträger der PORTRAITS Awards 2026 werden im Herbst bekanntgegeben (1. Preis: 5.000 EUR, 2. Preis: 2.000 EUR, 3. Preis: 1.000 EUR). In der großen Jahresausstellung werden alle Werke der Finalrunde präsentiert.
Eine Reihe öffentlicher Veranstaltungen und eine Anzahl von kuratierten Einzelausstellungen, den so genannten „Satelliten“, runden das Wettbewerbsprogramm ab.
Weitere Informationen: www.portraits-hellerau.com
„Im Kontext unserer politischen und gesellschaftlichen Tagesrealität liegt „ESCAPISM“ als Thema nahe. Er ist ja keine bloße Flucht; stattdessen denken wir über poetische Gegenmodelle zur gegenwärtigen Realität nach. Über den ökonomischen Druck, über Einsamkeiten aller Art, die kontinentumspannenden Klima- und Demokratiekrisen. Eskapistische Bilder dürfen als utopische Gegenentwürfe gelesen werden. Wie wollen wir wohnen? Wie wollen wir arbeiten? Wie lassen sich Gemeinschaften anders denken als durch Effizienz, Konkurrenz und Erhöhung des Wehretats?
Dieser Charakter des Eskapismus rekurriert auf die Gründungsidee der Gartenstadt Hellerau. Als erste deutsche Gartenstadt 1908/09 entstand Hellerau aus dem Wunsch, der Enge und Härte urbaner Industrialisierung neue Entwürfe eines ganzheitlichen Lebens entgegenzusetzen. Die Initiatoren griffen Anfang des 20. Jahrhunderts auf reformerische, sozialutopische Konzepte zurück, die Wohnen, Arbeiten, Kultur und Natur verbinden wollten. Sie reagierten auf die Zwänge des Wilhelminischen Kaiserreichs und die negativen Folgen der Industrialisierung mit einem selbstbewussten Zukunftsentwurf. Großzügige Grünräume sollten in Hellerau entstehen, lichte Architektur, gemeinschaftliche Räume und kulturelle Bildung sollte das Zentrum des Ganzen werden! Das war also kein romantischer Rückzug, sondern ein avantgardistischer Antwortversuch auf die gesellschaftliche Krise. Die experimentelle Siedlung gilt als Teil der Lebensreformbewegung und wurde ausdrücklich als progressiver Gegenentwurf zu damaligen gesellschaftlichen Zwängen gedacht – bildlich wie programmatisch.
So nach-vorn-denkend verstehe ich auch unser Jahresthema „Eskapismus“. Die Verknüpfung dieses Themas mit Hellerau liegt nicht (nur) im Motiv des Entweichens, sondern in der Idee des Neuschaffens. Als fotografisches Thema ist Eskapismus das neugierige Ausloten von „Was wäre wenn?“-Szenarien. Für Fotografien, die sich diesem Jahresthema widmen, kann Hellerau gleichsam als inhaltlicher Spiegel dienen: eine Gartenstadt, die vor über 100 Jahren als utopische Antwort auf ihre gesellschaftlichen Herausforderungen entworfen wurde und nun als Denkraum für deine Bildwelten fungiert.“
- Martin Morgenstern (DGPh)
Förderung
Mit freundlicher Unterstützung von forvis mazars, OBERÜBER KARGER Kommunikationsagentur GmbH, Kunstagentur Dresden, PIGMENTPOL Sachsen GmbH, Fotokabinett Dresden, HAHNEMÜHLE und DER GREIF.

