Mit „Amphi II“ bringt der Künstler Omer Krieger eine Performance nach Dresden, in der nicht nur die Körper der sieben Tänzer*innen, sondern auch die Geschichte der Orte Teil der Choreografie werden.
Der erste Teil findet am 18.09. am Königsufer statt – auf einem Gelände, das während des Nationalsozialismus als Kundgebungsterrasse für politische Massenveranstaltungen errichtet und genutzt wurde. Der Blick über die Elbe, die Weite des Ortes und die Möglichkeit, große Menschenmengen zu versammeln, waren Teil einer gezielten Inszenierung von Öffentlichkeit und Macht. Am 19.09. setzt sich die Performance am Festspielhaus Hellerau fort, einem Ort, der als visionäre Rhythmikschule begann und während des Nationalsozialismus zur Polizeischule und Polizeiwaffenschule wurde und nach 1945 von der Roten Armee genutzt wurde.
Zwischen diesen beiden historischen wie ikonischen Dresdner Orten entfaltet sich „Amphi II“ als bewegtes Denkmal, schafft Verbindungslinien und fragt danach, was es heute bedeutet, gemeinsam im öffentlichen Raum zu stehen, sich zu bewegen und Teil einer Gruppe zu werden und wo sich Gemeinschaft zu Masse verkehrt.
Ausgangspunkt ist ein Tanz der Choreografin Noa Eshkol, den sie 1953 für eine Gedenkfeier zum zehnten Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto komponierte und der nur ein einziges Mal im Amphitheater des Hauses der Ghettokämpfer in Israel aufgeführt wurde. Omer Krieger überträgt dieses historische Werk in die Gegenwart. Archivarische Spuren treffen auf neue Bewegungen; Disziplin auf Loslösung, Trauer auf Energie, Erinnerung auf gegenwärtige Körper. Dabei entsteht keine historische Rekonstruktion. „Amphi II“ aktiviert Geschichte dort, wo sie stattgefunden hat.
Über zwei Abende führt die Performance vom Königsufer nach Hellerau und stellt eine Frage, die angesichts gegenwärtiger politischer Entwicklungen neue Dringlichkeit gewinnt: Wie können sich Menschen versammeln, ohne uniform zu werden?
„Amphi ist der Versuch einer universellen Bewegung, einer Art des Zusammenseins und einer Form des Gedenkens, die nicht an eine bestimmte Identität gebunden ist. Das war und ist ein antifaschistischer Tanz, 1953 ebenso wie 2026.“
– Omer Krieger
Location
| Fr 18.09., 19:00 Uhr | Königsufer Freiluftbühne auf dem Gelände der Filmnächte am Elbufer (Routenplaner) |
| Sa 19.09., 19:00 Uhr | Festspielhaus Hellerau |
Beide Teile finden im Freien statt. Bitte kleiden Sie sich entsprechend der Witterung.
Biografie
Omer Krieger komponiert performative Aktionen, soziale Situationen, Versammlungsformen und zivile Choreografien in öffentlichen Räumen Er interessiert sich für die Beziehungen zwischen Kunst, Zivilgesellschaft und Aktion.
Förderung
In Kooperation mit dem Master-Studiengang Choreografie der Palucca Hochschule für Tanz Dresden.









