26.04. – 05.05.2019

Erbstücke

Festival zu Erbe und Tradition in der zeitgenössischen Kunst

Welterbe, Erbschleicher, Erbfeind, Erbgut oder Erbstück: Das Wort Erbe ist im Deutschen mehrdeutig. Es bezeichnet einerseits den Gegenstand, der über Generationen weitergegeben wird, andererseits aber auch den Empfänger dieses Gegenstandes sowie die Gesamtheit des – durchaus auch immateriellen – Kulturgutes, das potentiell über den Wert verfügt, weitergegeben zu werden. Das macht den Begriff des Erbes so interessant und doppeldeutig und ist Anlass für HELLERAU, beim Festival „Erbstücke“ aktuelle Tanz- und Theaterproduktionen zu zeigen, die sich sehr unterschiedlich mit Erbe auseinandersetzen.

Die spanische Choreografin Rocío Molina beispielsweise erforscht in ihrer Inszenierung „Caída Del Cielo“ die lange Geschichte des Flamencos als eine Geschichte der Befreiung (vor allem des weiblichen Körpers), während Eszter Salamon in „The Valeska Gert Monument“ in eine intime und fast schmerzlich intensive Zwiesprache mit einer nahezu vergessenen Zeitgenossin Mary Wigmans eintaucht. Forced Entertainment zelebrieren in ihrem sechsstündigen Klassiker „And on the 1000th night“ die Wurzel allen Erbes: das Geschichtenerzählen. Hermann Heisig hingegen legt die absurden, manchmal auch totalitären Wurzeln von Jaques-Dalcrozes rhythmischen Übungen bloß, und Alexandra Bachzetsis hinterfragt mit drei Performer*innen die Ursprünge der „orientalischen“ Rebetiko-Lieder in Griechenland und ihre Bedeutung für die heutige urbane Gesellschaft. Daneben wird es weitere künstlerische Positionen geben, sowie Vorträge und Gespräche, die sich mit dem Begriff des Erbes in der heutigen Gesellschaft auseinandersetzen.