Familia – proprietatea privată a statului/Die Familie – Ein Staatseigentum (AT)

Nicoleta Esinencu (MDA)

Ausgangspunkt des Stückes „Die Familie – ein Staatseigentum (AT)“ ist die persönliche Erfahrung von Nicoleta Esinencu: der jüngste Verlust ihrer beiden Elternteile. In ihrer Arbeit wird Esinencu an die Saga ihrer Familie erinnern und gleichzeitig das patriarchalische System offenlegen, das vom Staat unterstützt und gefördert wird. Die Autorin und Regisseurin nähert sich dem Thema von mehreren Seiten: durch ihre persönliche Geschichte, die sie durch Selbstbeobachtung und -analyse sowie durch Interviews mit Familienmitgliedern und Freunden entwickeln wird, durch weitere Familiengeschichten von Akteuren auf der Bühne sowie durch historische Untersuchungen über den Begriff der Familie bis zu seiner gegenwärtigen Bedeutung.

Das Thema Familie ist gerade heute in der Republik Moldau wichtig, denn nach dem Fall der Sowjetunion, als der neu geschaffene moldauische Staat das Wohl seiner Bürger nicht absichern konnte, verlagerte sich der ganze Druck des wirtschaftlichen Überlebens auf die Familie. Jede Familie musste eine Lösung finden, mit den veränderten Bedingungen fertig zu werden. Für die Mehrheit der Bevölkerung wurde das Verlassen des Landes, um einen Job im Ausland zu finden, zur Lösung. Dies führte zu Trennungen und zum Auseinanderfallen vieler Familien und zur Entfremdung vieler Eltern von ihren Kindern, von Ehemännern von ihren Ehefrauen, zu Verletzungen zwischen Brüdern und Schwestern. Einerseits hat der Staat nichts getan, um das allgemeine Phänomen der Auflösung der Familie zu stoppen, andererseits betont gerade der Staat, dass die Familie als der höchste traditionelle, christliche, moldauische Wert nicht in Frage gestellt oder diskutiert werden dürfe.

Nicoleta Esinencu 

Die moldauische Dramatikerin und Theaterregisseurin Nicoleta Esinencu ist seit ihrem Studium der Theaterwissenschaft als Autorin und Regisseurin in der Theaterszene Rumäniens und der Republik Moldau aktiv. Nach einem Stipendium an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart wurde sie mit ihrem Stück „FUCK YOU, Eu.ro.Pa!“ einem breiten Publikum bekannt. Das Stück gewann den rumänischen dramAcum-Theaterpreis und wurde im Reader des rumänischen Pavillons bei der 51. Biennale in Venedig (2005) veröffentlicht. 2010 gründete sie mit ihrem gleichnamigen Kollektiv Teatru Spălătorie in Chişinău einenalternativen, theaterorientierten Künstlerraum, der 2017 wegen fehlender finanzieller Unterstützung geschlossen werden musste. Die Künstlerin, deren Texte in vier Sprachen übersetzt und in Rumänien, Deutschland, Bulgarien und Polen veröffentlicht wurden, war 2008 zu Gast bei der Leipziger Buchmesse und 2010 beim Internationalen Literaturfestival Berlin. Die internationale Koproduktion „Die Familie – ein Staatseigentum“ ist eine Auftragsarbeit des HAU Hebbel am Ufer, das mit derRegisseurin und Autorin seit 2012 regelmäßig zusammenarbeitet. Nicoleta Esinencu ist 2019 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

Termine

Rumänisch mit deutschen und englischen Übertiteln | Publikumsgespräch am 25.10.

Festival
Fr 25.10.2019 Fr 25.10.
2019
19:00
Nancy-Spero-Saal
Theater/ Performance

Familia – proprietatea privată a statului/Die Familie – Ein Staatseigentum (AT)

Nicoleta Esinencu (MDA)

Rumänisch mit deutschen und englischen Übertiteln | Publikumsgespräch am 25.10.
19:00
Nancy-Spero-Saal
Theater/ Performance
Festival
Festival
Sa 26.10.2019 Sa 26.10.
2019
19:00
Nancy-Spero-Saal
Theater/ Performance

Familia – proprietatea privată a statului/Die Familie – Ein Staatseigentum (AT)

Nicoleta Esinencu (MDA)

Rumänisch mit deutschen und englischen Übertiteln | Publikumsgespräch am 25.10.
19:00
Nancy-Spero-Saal
Theater/ Performance
Festival