Ausstellung

Sery C. & Martina Jess Lipstick traces re-cover / To be shaken before taken

10.07.–22.08.2010

Das Festspielhaus wird zur Kunsthalle.

3/1,50€

Bilder + Video

  • 01/10

Für die diesjährige Sommerausstellung stellt HELLERAU zwei Künstlern das gesamte Festspielhaus zur Verfügung: Christian Sery, Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden, verwandelt mit seinen raumgreifenden Arbeiten den Tessenow-Bau in eine einzigartige Kunsthalle. Serys Arbeiten werden von Martina Jess' Video-Interventionen ergänzt.

Sery C. „ermalt“ sich den Raum. Architektonische Gegebenheiten nutzend, trägt er einen Silikonkautschuk auf deren Fläche auf und verändert so zunächst die Ausgangsarchitektur. Ist der Kautschuk getrocknet, lässt sich die Hülle abnehmen und an anderer Stelle wiedererrichten. Damit verändert diese Gummihaut den Ausstellungsraum und setzt gleichzeitig die Ausgangsfläche in einen neuen Kontext. Treppenhäuser, Fluchtwege, Aufzüge, WC-Anlagen, die Funktionsräume der Museen und Galerien sind Gegenstand seines künstlerischen Diskurses. Dabei geht es immer um das enge Verhältnis zwischen Malerei und Architektur.Indem die Kautschuk-Haut sich zum Beispiel von der Wand löst bzw. ablösen lässt und zu Boden fällt, verwandelt sie sich in eine dreidimensionale Plastik, die wiederum den Raum und dessen Wahrnehmung verändert. Die Ausstellung vereint zum ersten Mal alle Giganten - in HELLERAU sogar in einem Raum. Auch andere Sery-„Klassiker“ wie An die Museumsleitung oder XM-Jetta-skin swap sind, teilweise neu arrangiert, zu sehen. Die Turmzelle des Physikers, vorher nur in situ, ist erstmals ausgebaut zu erleben. Neue Arbeiten wie Glücksordnung komplettieren die Werkschau.

Martina Jess ist in ihrer Kunst so etwas wie das kommunizierende, kontroverse Gegenbild zu Sery. Wo es bei Sery um Material, Arbeit und Raum beherrschende Skulptur geht, ist bei Martina Jess der Fokus ihres künstlerischen Werkes immer wieder der Mensch. Sie beobachtet, beleuchtet, verfremdet mit ihren Videos und installativen Arbeiten die Realität, kommentiert sie und kommentiert den Zuschauer, den sie gelegentlich an den Grenzen zur Intimität ertappt.

Das Festspielhaus Hellerau mit all seinen Sälen, Säulen, Treppen und Foyers erweist sich als optimaler Ort dafür, diesen Arbeiten einen Raum zu geben und sich gleichzeitig für die Dauer der Ausstellung verändern zu lassen. So lässt sich auch der Tessenow-Bau auf dieser Kunstreise neu entdecken und macht für einen Sommer die fehlende Kunsthalle in Dresden vergessen.

Der Katalog zur Ausstellung mit Beiträgen von Wolgang Guenter Thiel, Javier Panera und Peter Herbstreuth ist ab 15. August erhältlich und wurde ermöglicht durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Ostsächsischen Sparkasse Dresden.

Freitags ist der Eintritt zu den Ausstellungen frei.