Faustin Linyekula (Kongo): MORE MORE MORE... FUTURE
Dresdner Neueste Nachrichten, 30.04.2012Ziemlich kontroverse Diskussionen hat die Performance "More More More... Future" von und mit Faustin Linyekula provoziert. Mit Tänzern, Musikern, Sängern aus der Demokratischen Republik Kongo begann das "szenische Konzert" im Großen Saal vom Festspielhaus Hellerau zunächst reichlich irritierend, ist aber schließlich immer intensiver geworden. Und hat Neugier geweckt, beeindruckte mit eindringlichen Texten, bemerkenswerten Künstlern und Ideen. Wie beispielsweise diese großartige Palaverszene - etwas für Afrika Naheliegendes, für Europa eher Ungewöhnliches. Mit dem politisch-brisanten Gastspiel ist auch der Auftakt zu "Dance Dialogues Africa 2012-2014", an dem Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste Dresden maßgeblich beteiligt ist.
Sächsische Zeitung, 28.04.2012Die Gitarre gellt, das Schlagzeug klingelt, drei Tänzer wippen auf den Fußballen. Ein Mann in Goldlamé deklamiert Verse des Dichters Antoine Vumulia Muhindo. Über Menschen Afrikas, die sich an ihrer Flucht in die Zunkunft nicht hindern lassen. Man sieht dem Ensemble von Faustin Linyekula aus der Demokratischen Republik Kongo an, beim Auftritt im Festspielhaus Hellerau: Es ist ihm ernst.
Avatâra Ayuso: The First Language (Spanien)
DNN, 17.04.2012Es ist, als ob sich die geballte weibliche Kraft der wunderbaren, eigenwilligen Frauengestalten von Nancy Spero erneut und mit schönster Vitalität im Festspielhaus Hellerau ausbreiten können. [...] Avatara Ayuso hat gemeinsam mit sechs hervorragenden Tänzerinnen (darunter auch Cindy Hammer als bemerkenswerte Absolventin der Palucca Hochschule für Tanz) eine Szenenfolge erarbeitet, die den Zuschauer - ebenso in Hinblick auf den Themenkreis "Torture of Woman" im Nancy Spero Saal vom Festspielhaus - mit Spielarten des Marterns, der Demütigung, der Bloßstellung von Frauen konfrontiert.
Dresdner.nu, 13.04.2012Es funktioniert. Komplett. Eine wunderbare Symbiose. Die aktuelle Ausstellung zum Werk Nancy Speros begleitend, findet die spanische Choreographin in dieser Uraufführung einen gelungenen Weg von graphisch anmutender Zweidimensionalität zu einer räumlichen Ausdrucksweise. Hinter einem zarten Schleier, fast wie angedeutet erscheinen die Tänzerinnen aus dem Nichts. Andeutungen, kurze Ansätze. Dann sind sie wieder verschwunden. Dopplungen, die doch keine Wiederholungen sind, verweisen auf psychologisierende Momente. Damit werden Parallelen zu Speros Arbeitsweise deutlich. Nicht nur die Handschrift ist dabei weiblich. Das Ensemble der sechs Tänzerinnen bewegt sich mühelos durch einen Akt der Gentrifizierung, die durch einen Gestus des Selbstverständlichen ganz von allein zu kommen scheint.
Derevo: KETZAL Kapitel II
Dresdner Neueste Nachrichten, 10.04.2012Nach der mit deutlicher Aufmerksamkeit und viel Beifall aufgenommenen Vorstellung von "Ketzal II Noah's Ark" im Festspielhaus Hellerau fragen Besucher am Verkaufsstand nach, ob es denn noch irgendwie erklärendes Material zur Produktion gäbe. Und erfahren, dies sei ja gerade erst die Uraufführung gewesen und eine DVD oder Ähnliches wäre dann später zu erhalten.
So einfach ist es bei Derevo: Es gibt hinreißende Bilder, hervorragende Künstler, Sound und Lichtstimmungen vom Feinsten.
Hofesh Shechter: Political Mother
Dresdner Neueste Nachrichten, 02.04.2012In raffinierter Tanz-Klang-Licht-Szenerie auf mehreren Ebenen, im Wechsel von martialischer Suggestion, Verharren in Stille, Sog, Flucht, erlöschender Macht, erwachender Masse. Ein Gastspiel im Festspielhaus Hellerau, das bewusst politisches Denken forciert und vom Publikum Standing Ovations erhält.
Peeping Tom: For Rent
tanznetz.de, 12.03.2012Die genialen Wiederverkäufer
"For Rent" als surrealer Gebrauchtwarencocktail der belgischen Kompanie Peeping Tom in Hellerau. Sie lassen nicht umkommen, die grandiosen Protagonisten der Kompanie Peeping Tom.
Sächsische Zeitung, 12.03.2012Akrobatik, Gags und Wahnsinn
Das belgische Tanztheater Peeping Tom bietet in Hellerau großes Kino. (...) Am Freitag war im Festspielhaus Hellerau Deutschlandpremiere. Das Publikum steht applaudierend und jubelt.
Dresdner Neueste Nachrichten, 13.03.2012Wenn Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste Dresden mit dieser jüngsten Produktion von Peeping Tom für eine Deutschlandpremiere sorgt und zugleich mit weiteren Partnern Koproduzent ist, wird auch deutlich, dass das Festspielhaus längst wieder als markante Kulturstätte wahrgenommen wird. Von Künstlern und Veranstaltern gleichermaßen wie von den erfreulich "aufgemischten" Zuschauern.
ALAIN PLATEL: GARDENIA
Sächsische Zeitung, 14.02.2012Wie staunt man und wäre auch gern verwandelt. Selbst die bestürzende Szene vor dem Finale, als der einzige Tänzer des Ensembles ein schönes Leben für seine Nächsten verlangt und daran leidet wie ein Hund, vermag den Zauber des Äußerlichen kaum zu brechen. Das Publikum in Hellerau klatscht Beifall, jubelt und trampelt.
Dresdner Neueste Nachrichten, 13.02.2012Das neuerliche Gastspiel des belgischen Choreografen Alain Platel mit seinem "les ballets C de la B" aus Brüssel im Festspielhaus Hellerau - am Wochenende mit zwei Aufführungen der jüngsten Produktion "Gardenia" - überrascht in jeglicher Weise. So klar strukturiert, konsequent in durchkomponierter Erzählweise sowie mit feinsten Nuancierungen ist er bislang hierzulande kaum zu erfahren gewesen. [...] Eine der berührendsten Szenen des Abends ist, wie der junge, männlich-kraftvolle Tänzer - ein Juwel der Gesellschaft - mit seinem Schicksal hadert. Den erhofften Trost findet er zwar, kann ihn aber nicht in Gänze auskosten. Und die gegensätzlichen Pole, die leidenschaftlichen, verletzlichen Konfrontationen lassen das wie auch immer geartete Paar aneinander verzweifeln. Es geht nicht mit und es geht nicht ohne. Eine Tanz-Metapher, wie man sie kennt von Platel. Aber kaum in solcher Intensität.
Bruno Beltrão: H3
Dresdner Neueste Nachrichten, 30.01.2012Faszinierend ist beispielsweise, wenn die Tänzer - wie aus dem Katapult geschnellt und in den Sog geraten - rückwärts auf der Bühne ihre Bahnen ziehen. Sie sind dabei so behände und geschmeidig wie Panther, stoßen auch nicht aneinander, wenn sie in großen Formationen ausschwärmen. Es ist eine wahrhaft kunstvolle Metapher, erinnernd an die Orientierung von Vögeln, wenn sie deren Richtungswechsel am weiten Himmel assoziieren - ein wunderbares Miteinander und dennoch im freien Flügelschlag.
Musik in Dresden, 30.01.2012Durch extreme Verlangsamungen gehen die Bewegungen über in Formen und Formate des modernen Tanzes um aber gleich wieder ganz kräftig, ganz feinsinnig, mit kleineren oder größeren Veränderungen jeder möglichen Art, der Ein- oder Zuordnung entgegen zu tanzen. Wir erleben in mehreren Varianten eine Vielzahl von Abbildern nonverbaler Kommunikation, Kämpfe, Konkurrenz und immer wieder große Zärtlichkeit, die sich auf den Partner oder den eigenen Körper beziehen.
Sächsische Zeitung, 30.01.2012Der Wettbewerb findet innerhalb der Gruppe statt, geschärft durch Elemente der brasilianischen Kampf- und Tanzkunst Capoeira, die rasch auf den Körper des Gegners zielt, ohne ihn zu berühren. Jedoch lässt Beltrão ebenso Defekte offenbaren, verkrümmte Leiber, abwegige Reaktionen. Auch hier entsteht oft eine Doppel-Struktur mit Luft im hohlen Rücken. Zuweilen zeigen die Tänzer die Bewegungen in Zeitlupe. Großartig, diese Körperbeherrschung.
