Bruno Beltrão: H3

Faszinierend ist beispielsweise, wenn die Tänzer - wie aus dem Katapult geschnellt und in den Sog geraten - rückwärts auf der Bühne ihre Bahnen ziehen. Sie sind dabei so behände und geschmeidig wie Panther, stoßen auch nicht aneinander, wenn sie in großen Formationen ausschwärmen. Es ist eine wahrhaft kunstvolle Metapher, erinnernd an die Orientierung von Vögeln, wenn sie deren Richtungswechsel am weiten Himmel assoziieren - ein wunderbares Miteinander und dennoch im freien Flügelschlag.

Dresdner Neueste Nachrichten, 30.01.2012

Durch extreme Verlangsamungen gehen die Bewegungen über in Formen und Formate des modernen Tanzes um aber gleich wieder ganz kräftig, ganz feinsinnig, mit kleineren oder größeren Veränderungen jeder möglichen Art, der Ein- oder Zuordnung entgegen zu tanzen. Wir erleben in mehreren Varianten eine Vielzahl von Abbildern nonverbaler Kommunikation, Kämpfe, Konkurrenz und immer wieder große Zärtlichkeit, die sich auf den Partner oder den eigenen Körper beziehen.

Musik in Dresden, 30.01.2012

Der Wettbewerb findet innerhalb der Gruppe statt, geschärft durch Elemente der brasilianischen Kampf- und Tanzkunst Capoeira, die rasch auf den Körper des Gegners zielt, ohne ihn zu berühren. Jedoch lässt Beltrão ebenso Defekte offenbaren, verkrümmte Leiber, abwegige Reaktionen. Auch hier entsteht oft eine Doppel-Struktur mit Luft im hohlen Rücken. Zuweilen zeigen die Tänzer die Bewegungen in Zeitlupe. Großartig, diese Körperbeherrschung.

Sächsische Zeitung, 30.01.2012