Festspielhaus Hellerau

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PINDORAMA

Vergangene Termine

  • Fr 16.05.14 20:00
  • Sa 17.05.14 20:00

Deutsche Erstaufführung | Koproduktion

LIA RODRIGUES

PINDORAMA

Eine Plastikplane, Wasser, nackte Körper, Stille. Es ist die Stille vor dem Sturm, der sich hier gleich entfalten wird. Wir werden Zeugen eines Kampfes des Einzelnen gegen die Anderen, gegen die Natur. Gewalt und Zärtlichkeit wechseln sich in Sekundenschnelle ab. Wer wird hier wofür geopfert?

Pindorama ist der ursprüngliche Name Brasiliens vor der portugiesischen Kolonisation und komplettiert Lia Rodrigues’ Trilogie über Wasser, Gemeinschaften und Brasilien. Nach einem physischen Äquivalent für dessen natürliche Landschaft suchend, kreieren die Tänzer der Companhia de Danças ihre eigenen Rituale und Spiele, und loten gleichsam die Möglichkeiten menschlichen Zusammenseins aus.
Publikum und Tänzer teilen sich einen Raum, der sich konstant verändert, indem beide sich immer neu positionieren, Raum geben und Raum nehmen müssen. So entsteht eine große Nähe. Es ist ein bewegendes und sehr physisches Tanzstück, in dem die elf Tänzer der Companhia de Danças eine Utopie menschlichen Zusammenseins aufzeigen, die andere Perspektiven des Imaginären eröffnet.

Lia Rodrigues aus Rio de Janeiro gilt heute als die wichtigste Choreografin Südamerikas und zentrale Figur des zeitgenössischen Tanzes in Brasilien. Mit ihrer Entscheidung, das Probenzentrum ihrer Kompanie in eine der härtesten Favelas Rio de Janeiros, in die Maré zu verlegen, bezog sie politisch und sozial Position für und mit ihrer Kunst, die für Brasilien ebenso außergewöhnlich wie exemplarisch ist.

Dresdner Neueste Nachrichten / 19.05.2014

Lia Rodrigues' Pindorama berührt in Hellerau. Dass sich Tanz auf den bloßen Körper besinnt, muss nicht zwingend überraschend sein und kann auch Vorbehalte auslösen. Die sich zuweilen erfüllen, wenn Blöße quasi nur Mittel zum Zweck ist. Doch solche Ängste braucht es gar nicht erst, wenn die brasilianische Choreografin Lia Rodrigues mit Nacktheit umgeht. Und wer sie und ihre Companhia de Dancas beim ersten Gastspiel in Hellerau erlebt hat, weiß, dass sie Tänzer niemals aus purer Effekthascherei dem Publikum "vorführen" würde. Und so zelebriert die Choreografin geradezu in dem neuen Stück [...], wie Menschen in Bedrängnis, Gefahr, in ausweglose Situationen geraten, denen sie sich nicht entziehen oder widersetzen können. Ein Gleichnis für Gewalt, für Willkür, die sowohl von elementaren Naturkräften ausgehen können, wie sie sich auch Menschen gegenseitig antun. Zu Beginn [...] entfalten die Tänzer Lage für Lage eine stabile durchscheinende Folie, die letztlich als eine Art "Tafel" erscheint, mit den zu beiden Längsseiten stehenden oder am Boden sitzenden Zuschauern. Und die Darsteller lassen zudem kleine Wasser-Ballons aufrollen, die sich wabernd über die Fläche verteilen. Was dann geschieht, ist berührend und prägt sich als Bild wohl jedem ein. Jene Frau, die sich da nackt, durchnässt und gänzlich schutzos auf der Bahn bewegt, wird von anderen, die die Folie in gemeinsamer Aktion in Bewegung bringen, in immer stärker aufwallenden "Fluten" mitgerissen und versenkt, ein unaufhaltsames Wogen der Gewalten, in denen der Mensch nur noch ein Spielball der Kräfte ist.

Sächsische Zeitung / 19.05.2014

Der Vorzug dieses Theater liegt nicht im plausiblen Bild, sondern in seiner Physik. Ein Luftzug kommt von der Wellen schlagenden Plane her zum Publikum, das an den vier Seiten der Tanzfläche auf dem Fußboden hockt. Wind weht, Tropfen sprühen. Im zwanzigminütigen Finale bewegen sich die Zuschauer sogar inmitten des Geschehens. [...] Was man jetzt erlebt, ist eine gar nicht unangenehme Nähe, ja Freiheit.

Libération / 05.12.2013

Tout cela met en place progressivement une sorte de communauté pour un bout de soirée. Permettre la circulation entre les êtres, relier sans lier, tel est un des objectifs de la chorégraphe, parfaitement maîtrisé.

Le Monde / 22.11.2013

Une bâche en plastique transparent, de l'eau, des corps nus, le silence. La pauvreté du dispositif du nouveau spectacle de la chorégraphe brésilienne Lia Rodrigues, Pindorama, est inversement proportionnelle à son impact.

www.liarodrigues.com

Choreografie: Lia Rodrigues
Dramaturgie: Silvia Soter
Künstlerische Zusammenarbeit: Guillaume Bernardi
Licht: Nicolas Boudier
Fotografie: Sammi Landweer
Choreografische Assistenz: Amalia Lima

Koproduktion des Festival d’Automne (Paris), Théâtre national de Chaillot, Théâtre Jean Vilar (Vitry-sur-Seine), La Briqueterie/CDC du Val-de-Marne, KING’S FOUNTAIN, Kunstenfestivaldesart in Kooperation mit Kaaïtheater (Brüssel), HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Kulturministerium Rio de Janeiro in Zusammenarbeit mit REDES de Desenvolvimento da Maré.

Dauer: 80 min.


RAHMENPROGRAMM

Film | Territoires de l'art – Lia Rodrigues, de Vitry à Rio

Vortrag | Spektakel und Gewalt zu den Schattenseiten der Mega-Events in Rio de Janeiro 2014/16

Lesung | Es waren viele Pferde von Luiz Ruffato

Publikumsgespräch | mit Lia Rodrigues und Dieter Jaenicke im Anschluss an die Vorstellung am Samstag

Workshop | Masterclass mit Lia Rodrigues

Ausstellung | Die Favela da Rocinha de Rio de Janeiro von Joakim Lundberg

Aftershowparty | Copa de Maré
mit DNZ (Fenders Recordstore) und IKONE (DADAjugend-Dresden)

Europäisches Zentrum der Künste Dresden