Festspielhaus Hellerau

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Oedipus Rex

Vergangene Termine

  • Do 19.11.09 20:00
  • Fr 20.11.09 20:00
  • Sa 21.11.09 20:00

von Igor Strawinsky

Oedipus Rex

Als Säugling ausgesetzt, mit durchstochenen und zusammen gebundenen Füßen, nur knapp dem Tod entronnen, meint es das Schicksal - so scheint es - endlich gut mit Oedipus: liebevoll umsorgt von seinen Adoptiveltern wächst das einst so misshandelte Kind glücklich heran. Der Schein trügt. Denn laut Orakel ist ihm der Lebensweg bereits vorgezeichnet: Vatermord und Inzest. Die Prophezeiung tritt ein, und am Ende blickt Oedipus auf den Scherbenhaufen seines Lebens, in dessen Schicksalsfalle er so blindlings gegangen war, weil er Schein und Sein nicht zu unterscheiden vermochte. Der Oedipus-Mythos hat bis heute nicht an Faszination verloren und in Literatur, Philosophie und Psychologie seine Spuren hinterlassen. So schufen 1926 der russische Komponist Igor Strawinsky und der französische Dichter Jean Cocteau ein einstündiges Operndrama für Orchester, Chor, Solisten und Sprecher: Oedipus Rex. Constanza Macras, die in den letzten Jahren für aufsehenerregende Impulse in der internationalen Tanz- und Theaterszene gesorgt hat, setzt nun dieses Operndrama zeitgemäß mit Mitteln des modernen Tanztheaters um. Dabei geht es ihr um das Zusammenspiel von Tanz und Musik, Sängern und Tänzern, Musik und Stille. Macras teilt das Stück in fünf Szenen ein, getreu der Originalstruktur von Sophokles, denen noch ein Prolog vorangeht, der hier aus Solis, Duets und energetischen Gruppenchoreografien besteht. Jede Szene wird von einem unterschiedlichen stillen Bild – einem lebenden Gemälde - dargestellt, sodass eine choreographierte Abfolge von tableaus vivants entsteht, die vom fotografischen Hyperrealismus eines Gregory Crewdson und der inszenierten Fotografie von Jeff Wall inspiriert sind. Nicht die großen Gesten, sondern die Musik transportiert das Monumentale. Das frei schwebende Bühnenbild der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota setzt bei der Dualität des Seins an, die sich wie ein roter Faden durch das Stück zieht. Diese Parallelwelten, Schein und Sein sowie das Irdische und das Himmlische, werden durch das Bühnenbild unterstrichen. Alles dreht sich um die Fragen: Gibt es eine Wahrheit, die für alle gleichermaßen gültig ist? Wie geht man mit Macht um und wer reguliert diese? In den griechischen Tragödien griff der deus ex-machina als Regulator der Handlungen ein. Und heute? Sind es Regierungen und Staaten? Gerichte? Oder doch das Volk? Das demokratische Volk wählt seine eigenen Repräsentanten und wählt diese auch ab: „Leb wohl. Wir haben dich geliebt.“

Sächsische Zeitung / 21.11.2009

Der erste Einsatz des bei der Haussanierung 2005 eingebauten Orchestergrabens! Letzterer erfüllt seine Funktion wunderbar. Die Dresdner Philharmonie unter Max Renne war dort nuanciert unterwegs, die Bläsersoli purzelten glasklar, monumentale Tutti ließen den Tessenow-Saal beben. Die Männerstimmen des Dresdner Kammerchors wiederum waren an den Seiten des Grabens platziert und akustisch am präsentesten. (...) Visuelle Ausrufezeichen am laufenden Band lieferte jedenfalls das Tanzensemble Dorky Park der bereits mehrfach in Dresden aktiven Chroeografin Constanza Macras. Unter einem verstrickten Bühnenbild von Chiharu Shiota, aus dem im Lauf der Zeit einzelne Möbel an Schnüren abgesenkt wurden, spielte sich das Stück mit Blutschande, Verrat, Weissagung und Kampf ab.

Dresdner Neueste Nachrichten / 21.11.2009

Nehmen wir an, Sophokles hätte der radikalen Kürzung des Dramas in dem Opernoratorium Strawinskys, das 1927 konzertant in Paris und ein knappes Jahr später szenisch in Wien uraufgeführt wurde, zugestimmt und diese Version als authentische Interpretation des Zentralgedankens akzeptiert. Dann müsste er an der Wiedergabe der Musik durch die Philharmonie und die Männerstimmen des Dresdner Kammerchors seine helle Freude gehabt haben. Der Dirigent Max Renne, 1974 in Berlin geboren, war Student bei Leopold Hager, einem der bedeutendsten europäischen Operndirigenten. Von ihm wird auch Renne die Sicherheit im Aufspüren dramatischer Höhepunkte gelernt haben. Er ließ Chor und Orchester mit oft erbarmungslose Wucht musizieren und transportierte so den barbarischen Charakter des antiken Stoffs. Die fünf Gesangssolisten – Fritz Feilhaber, Sabine Neumann, Tomasz Wija, Dionisos Tsantinis, Timothy Oliver – wurden weniger Repräsentanten stimmlicher Prachtentfaltung, machten aber die existenzielle Brüchigkeit der Hauptpersonen deutlich. Hier geht es nicht zuerst um Schönheit sondern um Wahrhaftigkeit in Ausnahmesituationen. (...) Brecht hat einmal gefordert, auch die Zuschaukunst müsste neu entwickelt werden. Er hat noch immer Recht, denn diese Produktion verlangt von uns, von Vertrautem Abschied zu nehmen.

Mitteldeutsche Zeitung / 20.11.2009

Nun hat die Choreographin und Regisseurin Contanza Macras, in Berlin lebende Argentinierin, mit ihrer Compagnie Dorky Park diese Geschichte nach der Fassung des Opern-Oratoriums Oedipus Rex von Igor Strawinsky und Jean Cocteau auf die Bühne gebracht. Nach der Uraufführung am Donnerstag im nahe Dresden gelegene Festspielhaus Hellerau gab es langen, starken Applaus und Bravorufe dafür. Der galt, ganz zu Recht, dem Konzept und einer geschlossenen Ensembleleistung, an der neben den Tänzern und Gesangssolisten auch die Dresdner Philharmonie unter Max Renne und der Dresdner Kammerchor ebenso großen Anteil hatten wie das grandiose, schwebende Bühnenbild von Chilharu Shota.

tanznetz.de / 20.11.2009

Dass man das Hellerauer Team zu dieser Pilotproduktion aber dennoch nur beglückwünschen kann, liegt daran, dass die Tänzerinnen und Tänzer von großartiger Präsenz sind, kräftig und zart, berührend auch, wenn sie in einem Augenblick hellster Visionen so wunderbar einander tragen und ertragen. Das liegt daran, dass mit den Herren des Dresdner Kammerchores in der Einstudierung von Jörg Genslein ein ausgezeichnetes Ensemble für diesen Part des kommentierenden Chores zur Verfügung steht. Die Mitglieder der Dresdner Philharmonie unter der Leitung von Max Renne spielen sicher exakt im Graben, bleiben aber in der Wahrnehmung stark beeinträchtigt durch die akustischen Verhältnisse, deren Auslotung einer längeren Erkundungsphase bedarf(...)

Regie und Choreographie: Constanza Macras Musikalische Leitung: Max Renne Raumkonzept: Chiharu Shiota Dramaturgie: Carmen Mehnert Bühnenkoordination: Steffi Goldmann Licht: Sergio de Carvalho Pessanha Ton: Stephan Woehrmann Kostüme: Gilvan Coelho de Oliveira


Performers: Ronni Maciel, Ana Mondini, Miki Shoji, Anouk Froidevaux, Hansel Nezza, Yeri Anarika Vargas Sanchez, Hilde Elbers, Elik Niv,

Ödipus: Fritz Feilhaber Jokaste: Sabine Neumann Teresias: Dionisos Tsantinis Kreon: Tomasz Wija Bote: Tomasz Wija Schäfer: Timothy Oliver Sprecher: Dionisos Tsantinis, Jonathan Trinh-Bomme, Bruno Renne

In Kooperation mit der Dresdner Philharmonie und dem Dresdner Kammerchor

Produktion DorkyPark Office Alexa Graefe Regieassistenz Luciana Rangel Bühnenassistenz James Shannon, Tomoko Fujimura Assistenz Kostüme Emiliana de Cristofaro, Julia Weiss Korrepetition Jenny Kim Produktionsassistenz Lisa Gobmeier Tour Management Christian Rudolph Gewandmeisterin Kristina Weiss

Eine Produktion von Constanza Macras/Dorky Park, Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste und Dresdner Philarmonie in Kooperation mit Hebbel am Ufer Theater Berlin und Théatre de la Place Liège. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und den Regierenden Bürgermeister von Berlin - Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten.


Fr, 20.11. im Anschluss an die Vorstellung, Eintritt frei Künstlergespräch

Mit: Constanza Macras, Regie und Choreographie „Oedipus Rex“ und Vertretern der Dresdner Philharmonie und des Dresdner Kammerchors Moderation: Dieter Jaenicke, Künstlerischer Leiter Hellerau– Europäisches Zentrum der Künste

Europäisches Zentrum der Künste Dresden