Festspielhaus Hellerau

zurück

Megalopolis

Vergangene Termine

  • Fr 26.02.10 20:00
  • Sa 27.02.10 20:00

Megalopolis

MEGALOPOLIS heißt das neue Tanzstück von Constanza Macras, dessen Uraufführung im Januar an der Berliner Schaubühne stürmisch gefeiert wurde. MEGALOPOLIS ist kein spezifischer, sondern ein metaphorischer Ort. Zusammen mit Tänzern und Schauspielern ihrer Kompanie Dorky Park begibt sich Macras an den Schauplatz ihres Interesses: die Stadt unter Einfluss der Globalisierung. Diese Stadt zeichnet sich durch die Unleserlichkeit heutiger Megastädte aus, die in das Chaos hineingeboren werden.

Ihre Gesichtszüge sind ungezügelter Wachstum, Zerfall und eine unendliche Auflösung. Dichte und Enge der Stadt lösen die Grenzen zwischen privaten und öffentlichen Räumen auf, lassen sie beinahe verschwinden. Gleichzeitig zwingt uns diese Grenzenlosigkeit, die Stadt als eine Kollage wahrzunehmen, die aus unzähligen biographischen Schnitzeln besteht. Der Kampf zweier Strassenverkäufer um den besten Platz stellt heute eine existentielle Konfrontation dar und ist morgen schon vergessen. Megastädte sind ein Paradigma für Räume, in denen Menschen zusammen leben, ohne sich zu kennen. Das immer präsente Überwachungssystem bringt nicht nur ständig überwachte Wesen hervor, sondern erzeugt auch eine neue Art der Selbstwahrnehmung. Der Körper einer Person verwandelt sich so in ein expressives Instrument, welches Systeme und Regeln erschafft und zerstört. Welche Wechselbeziehungen haben da noch eine Gültigkeit? Wird die urbane Entwicklung Prinzipien folgen, die uns völlig unbekannt sind? Ist der erkennbare Verfall gesellschaftlicher Beziehungen Ursache oder Konsequenz für die Zeichen des Verfalls unserer Städte? MEGALOPOLIS ist ein Versprechen und ein Fluch. MEGALOPOLIS ist eine strahlende Stadt. MEGALOPOLIS ist ein unkontrollierbares Konstrukt, ständig in Bewegung.

Dresdner Neueste Nachrichten / 02.03.2010

Wenn man letztlich aber – trotz alledem – das Festspielhaus nicht völlig frustriert verlässt, so ist das besonders auch den Darstellern sowie Musikern zu danken die hier ihre Haut mit vollem Risiko zu Markte tragen. Das machen sie so engagiert, mit Leib und Seele, dass letztlich kraftvoll herüberkommt, was Constanze Macras deutlich am Herzen liegt. Es ist quasi ihr Generalthema, die Migration, und immer wieder greif sie dieses unverhüllt, mit großer Intensität auf, schockiert und erzählt Alltägliches, schafft zuweilen auch absurde Situationen, mit denen allzu viele Deutlichkeiten ein wenig gebrochen, kurios dokumentiert werden. Da zahlt es sich aus, dass sie in ihrer internationalen Ensemblemixtur ein gutes Gespür für Künstler mit diversen Begabungen besitzt und im wahrsten Sinne des Wortes Typen auf die Bühne bringt Wie ebenso musikalische Nuancierungen ins Geschehen. (...) Da kickt ein Tänzer mit einer superleichten Plastiktüte, und er taucht unter ihr ab, fängt sie auf, weiß sie noch im letzten Moment mit dem Körper zu fassen. Eine irre Metapher für ‚Lostills, Verlorene Stillleben’.

Sächsische Zeitung / 01.03.2010

Macras lässt ihr neunköpfiges Ensemble die doppelte Anzahl Rollen spielen. Rascher als die Kleider wechseln blind Wut und Empfindlichkeit. Das vermeintliche Opfer wird unverhofft gefährlich. Oder es singt ein Lied aus der Heimat. Manchmal wird aus dem Konflikt eine Feier, die in den Streit kippt oder auch in Träume. Die dreiköpfige Band musiziert dazu mit viel Schlagwerk. Nach der Hälfte des knapp zweistündigen Abends erscheint die Choreografie stimmig, weil die Tänzer eilends und ungestüm reagieren. Dafür gibt es kräftig Beifall.

Eine Produktion von Constanza Macras/Dorky Park in Koproduktion mit der Schaubühne am Lehniner Platz, Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste und MESS Festival Sarajevo. Gefördert vom Hauptstadtkulturfonds.

Künstlergespräch

zwischen Constanza Macras und Carmen Mehnert, Programmleiterin Performing Arts in Hellerau, am 27. Februar im Anschluss an die Vorstellung.

Europäisches Zentrum der Künste Dresden