Festspielhaus Hellerau

Interview

Vom Kabelschlepper zum Showmaster

Dienstagssalon-Gastgeber Max Rademann im Gespräch mit Barbara Damm

Die Veranstaltungsreihe Dienstagssalon läuft nun seit zwei Jahren und hat sich rasch zu einer festen Größe in der Dresdner Musikszene entwickelt. Was ist das Besondere an diesem monatlich stattfindenden Format?
Dienstagssalon ist eine Mischung aus Konzert und Talkshow und findet in intimem, wohnzimmerartigem Ambiente mit Bar statt. Ein Salon eben. Die jeweiligen Gäste, hauptsächlich aus der lokalen Szene, stellen ihre Musik vor und kommen dazwischen aufs grüne Sofa um mit mir zu plaudern. Dabei geht es eher humorvoll zur Sache.

Welche Gäste kommen zu Dir, wählst Du sie nach Deinem persönlichen Musikgeschmack aus?
Nein, ich will sie alle haben, vom Schnulzensänger bis zur Death-Metal-Kapelle. Die Vielfalt ist Programm und unabhängig davon, ob es sich um ein von mir geliebtes musikalisches Genre handelt. Es geht ja nicht nur um die Musik meiner Gäste. Haben sie auch was zu erzählen, oder ist es besser, wenn sie einfach nur spielen und die Klappe halten? Trifft letzteres zu, dann rette ich den Abend, indem ich ein paar Geschichten aus meinem unsagbar spannenden Leben erzähle. Na ja, und ihre Instrumente beherrschen meine Gäste ja Gott sei Dank in der Regel schon.

Du bist selbst Musiker. Was interessiert Dich an Deinen Gästen mehr: die Musik oder die Persönlichkeit?
Ich kann singen und kenne den Unterschied zwischen den schwarzen und weißen Tasten. Meine Gäste sind nicht selten Profis und da beeindruckt mich oft deren Fertigkeit an den jeweiligen Instrumenten. Am schönsten sind für mich Tour- und Proberaumgeschichten. Interessant ist auch, dass so manch seriös anmutender Chorsänger einen Lifestyle hegt, wie, sagen wir mal, Lemmy Kilmister von Motörhead.

Bei welcher Musik gerätst Du selbst ins Schwärmen?
Einer meiner all time favorites: Stevie Wonders I was made to love her. Grundsätzlich werde ich bei dem ganzen alten Soulkram total schwach, das ist die beste Tanzmusik ever. Ich liebe auch Hip Hop, da gab es z.B. einen Mann, den würde ich direkt mal als Heiland bezeichnen: J Dilla! Von diesem Genie stammt übrigens das Jingle, welches bei jedem Dienstagssalon zu Beginn eingespielt wird. Ich liebe aber auch Gustav Mahler.

Du stammst aus Schwarzenberg im Erzgebirge und scheinst Deiner Heimat sehr verbunden zu sein. Was ist denn so anziehend an dieser Gegend?
De Walder un de Sproch. Ich bin halt dort großgeworden. Und meine Jugend war echt absolut verrückt. Aber wahrscheinlich schwärmt der Thüringer auch davon, wie toll es doch in seiner Heimat ist. Zumindest kriegen die sich da ja wegen ihrer Bratwurst gar nicht ein. Kulinarisch sind wir nicht so spektakulär, wir haben nur den legendären Wismut-Fusel.

Mit HELLERAU hast Du ein langjähriges Verhältnis...
Ja, ich habe hier auch schon Kabel geschleppt und Brote geschmiert. Einen Teil der Geschichte des Hauses seit 2003 habe ich auch zeichnerisch dokumentiert, man wage nur einen Blick in das Meisterbüro. Jetzt hab ich hier eine Show.

Nach zwei Jahren kann man ja mal ein Resüme ziehen. Was funktioniert gut, welches Element willst Du weiterentwickeln oder künftig ganz anders machen?
Ich würde gerne den Showcharakter noch ein bisschen ausbauen. Es soll mal ein Löwe durch einen brennenden Reifen springen oder so. Die Tendenzen sind gut, ich denke, das wird sowieso noch DIE Show in Dresden. Ja, da bin ich ganz sicher. (schaut sehnsuchtsvoll aus dem Fenster)

Gibt es einen besonderen Wunschgast, den Du unbedingt einmal auf dem grünen Sofa begrüßen möchtest?
Ich hatte tatsächlich das große Glück, schon viele Wunschgäste begrüßen zu dürfen, bin also schon ziemlich verwöhnt, aber wenn es Annamateur endlich in den Dienstagssalon schafft, dann schwebe ich auf Wolke sieben.

Max Rademann

ist freischaffender Schriftsteller, Zeichner, Filmemacher und Musiker. Seine Songs präsentiert er live auf der elektronischen Orgel. Gemeinsam mit Jens Rosemann produziert er Animationsfilme, so unter anderem die legendäre Reihe Peschi & Poschi. Seit dem Jahre 2005 ist er Autor der Dresdner Lesebühne Sax Royal. Seit 2011 liest er auch bei der Görlitzer Lesebühne Grubenhund. Unter dem Titel Vom funkelnden Fips und andere geheime Sagen aus dem Erzgebirge ist eine Sammlung von Geschichten 2009 im Wald & Wiese Verlag von ihm erschienen. 2011 erschien seine erste CD mit dem Titel Hey Hey Heiko Hey. Seit 2011 moderiert er die musikalische Reihe Dienstagssalon in HELLERAU­ – Europäisches Zentrum der Künste Dresden.

Europäisches Zentrum der Künste Dresden