Festspielhaus Hellerau

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NORDWIND Festival 2013

Vergangene Termine

  • Do 28.11.13 20:00

Deutsche Erstaufführung | Performance

A Two Dogs Company/ Kris Verdonck (Belgien/Island)

H, an Incident

Schauspieler, die aussehen, als wären sie gerade einem Cartoon entsprungen, ein Orchester aus Roboterinstrumenten, die technisch derart raffiniert ausgeführt sind, dass sie zu vollwertigen Ensemblemitgliedern werden, und eine isländische Frauentruppe tummeln sich auf der Bühne, die Kris Verdonck und Erna Ómarsdóttir rund um die Texte des russischen Autors Daniil Charms gebaut haben. Die oft sehr kurzen Schilderungen absurder "Zwischenfälle", für die der russische Autor Daniil Charms (oder in englischer Transkription: Harms, woraus sich der Stücktitel: H, an incident ergibt) posthum berühmt wurde, waren in Stalins Russland dadaistische Verweigerung des kollektiven Pathos. Der belgische Künstler Kris Verdonck inszeniert einige davon und ergänzt die Szenen, indem er den Charms'schen Kosmos weiterdenkt und in lustvoller Weise macht, was er will.
Entstanden ist ein virtuoses Sprach- und Maschinentheater, bedrohlich und zugleich in scheinbar kindlicher Phantasie befangen. Seine Protagonisten fallen aus Schränken, lösen sich auf, verschwinden spurlos, sterben. Wie verhält sich der Einzelne zur Gruppe, zur Gesellschaft und was hat sich an diesem Verhältnis unter den Bedingungen erhöhter sozialer wie technischer Kontrolle verändert?

Daniil Charms war ein Meister des Satirisch-Grotesken und Absurden und erinnert mit seinem kafkaesken Nonsens an Monty Python. Persönlich hat er für seine Texte teuer bezahlt, wurde unter Stalin mehrfach inhaftiert und verhungerte am Ende in einer Irrenanstalt.

Kris Verdonck, geboren 1974, studierte Visual Arts, Architektur und Theater. Die Vielseitigkeit seiner Studienfächer spiegelt sich in seinen Arbeiten wider, die sich stets in einer Grauzone zwischen Visual Arts und Theater, Installation und Performance, Tanz und Architektur bewegen.

Die Musik zu H, an Incident komponierten Valdimar Jóhannsson – der mit Ómarsdóttir auch das dunkle Metal-Projekt Lazyblood betreibt – und Jónas Sen, der auch schon für Björk arrangiert hat.

Der Standard / 22.09.2013

Ein überschnappender Putztrupp, ein Tanzmädchen-Chor, ein magischer Kasten, eine Rollschuhakrobatin mit Piepsstimme, eine Gurkenverkäuferin sowie ein erratisches, mechanisches Orchester beherrschen die Bühne. Je länger das Stück dauert, desto besser scheinen seine Metaphern auf unsere Gegenwart zu passen, in der alles, auch die Kunst, nach Maßstäben seiner unmittelbaren Nutzbarkeit gemessen wird.

Die Presse / 21.09.2013

Neun Darsteller reichern Texte des russischen Dichters Daniil Charms (1905–1942) mit Slapstick, Gesang und artistischen Verrenkungen an. (...) Absurde kleine Geschichten über den Irrsinn des Systems erzählt Charms, die im Stalinismus als Unterhöhlung verstanden wurden. Hier wirken sie wie Sketches von Monty Python, handeln buchstäblich von der Geworfenheit des Menschen, in einer Mischform von Musical, Tanz, Sprechtheater. Rasant ist die Abfolge, hoch das Potenzial aggressiver Komik.

The New York Times / 21.07.2013

Almost throughout H, An Incident, which seeks to recreate the world of the absurdist Russian writer Daniil Harms, I laughed uproariously, far more the rest of the audience, which I attribute to my native English skills and not an off-kilter sense of humor. An orchestra of robotic self-playing instruments move onto the stage by themselves, a cucumber saleswoman saves an old lady from a lion, and actors say things like: “A peculiar thing happened to me. I suddenly forgot which comes first, seven or eight.” Hilarious! Right? Right?

Eine Produktion von A Two Dogs Company Koproduziert von Kunstenfestivaldesarts, Kaaitheater, steirischer herbst festival und Göteborgs Dans & Teater Festival, Spring Performing Arts Festival (NL), Théâtre national de Bordeaux en Aquitaine (FR). Unterstützt von The Flemish Authorities, the Flemish Community Commission, the Brussels-Capital Region, NXTSTP, iMinds Art&D program, National Theatre of Iceland. Thanks to Zinnema.

www.atwodogscompany.org

In englischer Sprache, mit deutschen Übertiteln
Dauer: 90 min, keine Pause


Grafik
Bei zwei gekauften Festivaltickets bekommen Sie ein drittes Ticket als Freikarte hinzu. Ausgenommen ist das Konzert von Ólafur Arnalds.

Europäisches Zentrum der Künste Dresden