Festspielhaus Hellerau

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LINIE 08

Vergangene Termine

  • Di 06.11.12 ab 19:00
  • Mi 07.11.12 ab 19:00
  • Do 08.11.12 ab 19:00
  • Fr 09.11.12 ab 19:00
  • Sa 10.11.12 ab 19:00

Héctor Solari / Irene Pätzug / Valentin Hertweck

Diesseits

Kinetische Videoinstallation

Eine bewegliche, große Wand durchläuft im Raum eine bestimmte Route und führt eigene Bewegung aus. Mal beugt sich die Wand, mal hebt sie sich, dann geht sie wieder hinunter. Gleichzeitig wird diese sich bewegende Wand, der Boden und alle vier Wände des Dalcrozesaals mit Videobildern bestrahlt. Videos, die den Zustand von Héctor Solari beschreiben, als er 1987, zwei Jahre nach dem Zusammenbruch der Militärdiktatur in seinem Heimatland Uruguay, nach Europa auswanderte. Die Videos zeigen ein Durcheinander der Sinne, eine Überforderung durch zu viele Möglichkeiten, ein Gefühl der Orientierungslosigkeit und versetzen den Betrachter in einen Zustand der Instabilität. Die Fülle an Auswahlmöglichkeiten, der Zwang sich ständig entscheiden zu müssen, seine eigenen Kriterien permanent in Frage zu stellen und sich immer wieder neu positionieren zu müssen, haben den südamerikanischen Künstler Héctor Solari bei seiner Ankunft in Europa überfordert und irritiert. Inspiriert durch seine Biografie muss sich jeder Akteur in der Installation Diesseits ständig neu definieren. Der Raum, die Bilder und die Soundcollage aus Alltagsgeräuschen ergeben eine Situation, die den Zuschauer zwingt, sich selbst zu bewegen, um die eigene Position und Orientierung im Raum wiederzuerlangen. Programmatisch ist der Titel Diesseits auf zwei Ebenen zu verstehen. Zum einen passiert alles Diesseits, also hier und jetzt. Anderseits spielt der Titel auf all jene Konzepte an, die immer vom Jenseits sprechen, über die Wahrheit oder die Realität, die hinter unserer Realität, hinter dem Sichtbaren steht. Héctor Solari sagt: „Es ist, was es ist und nicht mehr.“ Nach erfolgreichen Kollaborationen mit den Choreografinnen Avatâra Ayuso und Irene Schröder ist Diesseits die erste Zusammenarbeit von Héctor Solari mit den Bildenden Künstlern Irene Pätzug und Valentin Hertweck aus Berlin, die er in HELLERAU vorstellt. „Oft versteht man Rauminstallation als eine Installation im Raum. Aber Irene Pätzug und Valentin Hertweck arbeiten auf eine Art und Weise, durch die der Raum neu zu erkennen ist. Sie bewegen Objekte im Raum und führen ihn so in eine neue Dimension.“ sagt Héctor Solari.

Dresdner Neueste Nachrichten / 08.11.2012

Überhaupt werden in dieser in Klang und Bild behutsam, bedacht agierenden Szenerie die Sinne nicht heillos überflutet. und es bleibt anregend herauszufinden, was sich hinter den Strukturen erbirgt, welche rhythmischen Spannungen sich aus den Licht- und Klangveränderungen ergeben. Sehen und entdecken wird allerdings nur der, der auch Freude daran hat, sich einzulassen auf Bewegung in Zwiesprache mit dem sich stetig verwandelnden Raum. Denn dafür bietet das abstrakt wie auch konkret gehandhabte Videomaterial jede Möglichkeit.

tanznetz.de / 07.11.2012

Projektionen, Klänge und vor allem eine Wand, die sich durch den Raum bewegt, dabei schwebt oder sich neigt und somit die Filmsequenzen in immer neuen Blickwinkeln aufnimmt, lassen den Boden des Zusehenden unter den Füßen instabil werden. Standortwechsel bringt nur scheinbare Rettung, allein die Bewegung hilft, Stillstand verunsichert. Eine so assotiative wie kommunikative Ergänzung des Festivalprogramms.

Europäisches Zentrum der Künste Dresden